|
Liebe Leserinnen und Leser,
Frauen sind deutlich häufiger von Alzheimer betroffen als Männer – rund zwei Drittel aller Erkrankten sind weiblich. Besteht zusätzlich eine erhöhte genetische Prädisposition, gilt es, beeinflussbare Risikofaktoren möglichst konsequent zu minimieren. Eine US-amerikanische Studie identifizierte nun einen weiteren möglichen Risikofaktor für ältere Frauen mit erhöhtem genetischem Risiko: Eine subjektiv als schlecht empfundene Schlafqualität ging sowohl mit einer schwächeren Leistung des visuellen Gedächtnisses als auch mit einer stärkeren Tau-Anreicherung im Gehirn einher. Schlafstörungen könnten somit helfen, Risikopatientinnen früher zu identifizieren. Gleichzeitig legen die Ergebnisse nahe, dass eine Verbesserung der Schlafqualität eine einfache und kostengünstige Präventionsstrategie darstellen könnte.
Ein weiterer früher Hinweis auf kognitiven Abbau könnte laut einer portugiesischen Studie die Handschrift sein. Die Forschenden fanden heraus, dass sich Merkmale wie Schreibgeschwindigkeit und Strichführung zwischen älteren Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und gesunden Kontrollpersonen unterschieden. Allerdings zeigten sich diese Unterschiede erst bei komplexeren Aufgaben: Während einfache Stiftkontrollübungen und Abschreibaufgaben von beiden Gruppen ähnlich bewältigt wurden, offenbarten Diktataufgaben deutliche Unterschiede. Langfristig hoffen die Autoren, nach einer Validierung in größeren Studien ein kostengünstiges und einfach anwendbares Instrument zur Überwachung kognitiven Abbaus entwickeln zu können.
Doch was wäre, wenn sich der Gedächtnisverlust bei Alzheimer künftig nicht nur verlangsamen, sondern tatsächlich rückgängig machen ließe? Einen spannenden Ansatz hierzu liefert eine japanische Forschungsgruppe, die in einem Alzheimer-Mausmodell einen drastischen Dopaminmangel im entorhinalen Cortex nachweisen konnte. Wurde der Dopaminspiegel mithilfe optogenetischer Verfahren erhöht, stellte sich die Fähigkeit zur Gedächtnisbildung bei den Mäusen wieder ein. Auch das ursprünglich zur Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzte Medikament Levodopa normalisierte die neuronale Aktivität und verbesserte die Gedächtnisleistung. Bis zu einer möglichen klinischen Anwendung beim Menschen dürfte zwar noch einige Zeit vergehen, doch die Ergebnisse lassen hoffen, dass eine Umkehr kognitiver Defizite bei Alzheimer eines Tages tatsächlich möglich werden könnte.
Mehr zu diesen und weiteren Themen finden Sie in diesem Newsletter und auf unserem Nachrichtenportal sowie in der aktuellen Ausgabe unserer Zeitschrift KOMPAKT NEUROLOGIE. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre!
|