Ausgabe 17/2026

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Mittwoch, 22. April 2026

Liebe Leserinnen und Leser,
es ist eines der zentralen Themen der Woche: Hat das seit September 2025 in der EU zugelassene Alzheimer-Medikament Donanemab einen belegbaren Zusatznutzen gegenüber der Standardtherapie oder nicht? Bislang scheiden sich an dieser Frage die Geister. Eine kürzlich veröffentlichte Übersichtsarbeit der Organisation Cochrane kommt zu dem Schluss, dass sowohl Donanemab als auch Lecanemab keine Hinweise auf einen klinisch relevanten Nutzen zeigen, gleichzeitig aber mit einem erhöhten Risiko für Nebenwirkungen wie Hirnödeme und Mikroblutungen verbunden sind. Auch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) konnte für die bewerteten Patientengruppen keinen gesicherten Zusatznutzen gegenüber symptomatischen Therapien feststellen.
Prof. Gabor Petzold, Direktor für klinische Forschung am DZNE, sieht diese Einordnung jedoch kritisch. Grundlage der G-BA-Bewertung war eine Aufteilung in unterschiedliche Krankheitsstadien, insbesondere leichte kognitive Störung aufgrund der Alzheimer-Krankheit vs. leichte Alzheimer-Demenz. Für die erste Gruppe ergaben die getrennt ausgewerteten Daten keinen Zusatznutzen, für die zweite lagen keine ausreichenden Daten für eine belastbare Bewertung vor. Diese strikte Trennung sei aus klinischer Sicht problematisch, so Petzold, da die Übergänge zwischen den Stadien heute eher als kontinuierliches Spektrum verstanden werden. Auch der Übersichtsarbeit von Cochrane steht er kritisch gegenüber, da sie mehrere Amyloid-Antikörper umfasst, die sich in früheren Studien bereits als unwirksam erwiesen hatten und daher nicht mit den aktuell zugelassenen Präparaten gemeinsam bewertet werden sollten.
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie äußert ebenfalls Vorbehalte gegenüber der Übersichtsarbeit. Auch sie sieht die größte Schwäche darin, dass Substanzen, die bereits in der klinischen Prüfung gescheitert waren, in die Analyse einbezogen wurden und so die Gesamtaussage verzerren könnten. Zwar bestätigt die DGN, dass Donanemab und Lecanemab noch nicht den erhofften Durchbruch in der Alzheimer-Therapie darstellen, sie seien jedoch als Schritt in die richtige Richtung zu verstehen und nicht als Sackgasse. Für schwerwiegende Nebenwirkungen und Mortalität ergaben sich außerdem keine klinisch relevanten Unterschiede gegenüber Placebo, was von der DGN als Hinweis auf ein insgesamt günstiges Sicherheitsprofil des Therapieprinzips gewertet wird.
Vor diesem Hintergrund bleibt offen, wie die unterschiedlichen Bewertungen in die Preisverhandlungen zwischen Krankenkassen und Herstellern und letztlich die Versorgungspraxis einfließen werden. Ebenso unklar ist, welchen Stellenwert die Amyloid-gerichteten Antikörper in der Alzheimer-Therapie langfristig tatsächlich einnehmen werden.
Mehr zu diesen und weiteren Themen finden Sie in diesem Newsletter, auf unserem Nachrichtenportal sowie in der aktuellen Ausgabe unserer Zeitschrift KOMPAKT NEUROLOGIE. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre!




   Ihre
   Lena Johannes

 

 
 
Cochrane-Review zeigt mehr Risiken als Nutzen bei neuen Alzheimer-Medikamenten

Cochrane-Review zeigt mehr Risiken als Nutzen bei neuen Alzheimer-Medikamenten

Mehr als 20.000 Patienten, 17 Studien, eine durchwachsene Bilanz: Die neuen Alzheimer-Medikamente zeigen laut einer aktuellen Übersichtsarbeit wenig klinisch relevante Wirkung – und könnten teils sogar schaden.

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Langfristig profitieren: Therapie der
Alzheimer-Krankheit

Wie wirksam sind Anti-Amyloid-Therapien bei der frühen symptomatischen Alzheimer-Krankheit auf lange Sicht? Kisunla®1 zeigte einen zunehmenden klinischen Nutzen über 3 Jahre – sogar nach Absetzen der Therapie.2

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Stellungnahme des DZNE zu neuen Alzheimer-Medikamenten

Prof. Gabor Petzold, Direktor für klinische Forschung am DZNE, äußert Kritik an der jüngsten Bewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zum neuesten zugelassenen Alzheimer-Medikament. Ebenfalls kritisch sieht er eine aktuelle Übersichtsarbeit der Organisation „Cochrane“ zur Wirksamkeit mehrerer Amyloid-Antikörper.

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DGN kritisiert Übersichtsarbeit zu neuen Alzheimer-Medikamenten

DGN kritisiert Übersichtsarbeit zu neuen Alzheimer-Medikamenten

Die aktuelle Cochrane-Analyse kommt zu dem Schluss, dass Beta-Amyloid-Antikörper insgesamt keinen klaren klinischen Nutzen zeigen. DGN-Experten warnen jedoch davor, daraus eine grundsätzliche Wirkungslosigkeit des Prinzips dieser Alzheimer-Medikamente abzuleiten, da zugelassene Substanzen wie Lecanemab und Donanemab in randomisierten Studien einen – wenn auch begrenzten – Effekt gezeigt haben.

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Ein Schädel-Hirn-Trauma bei Kindern begünstigt Depressionen und Angstzustände

Eine neue Studie zeigt, dass Kinder und Jugendliche im Schulalter mit einem ärztlich diagnostizierten Schädel-Hirn-Trauma deutlich häufiger unter Angstzuständen und Depressionen leiden. Starke familiäre Unterstützung und Resilienz können diese Symptome lindern.

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Unsere Auswahl: Aktuelles aus internationalen Journals

Bestätigende Studie zu Wirksamkeit und Sicherheits der Magnetkrampftherapie im Vergleich zur rechtsseitigen unilateralen ultrakurzen Elektrokrampftherapie bei Depressionen.
Lancet Psychiatry 2026;13(5):376–386.

Vorhersage des Krankheitsverlaufs bei Multipler Sklerose mithilfe klinisch zugänglicher Informationen und Technologien.
J Neurol 2026;273(5):281.

Schädel-Hirn-Trauma und das Risiko einer früh einsetzenden Demenz: Eine bevölkerungsbasierte Kohortenstudie.
Alzheimers Dement 2026;22(4):e71387.

Auswirkungen eines dreiwöchigen Gehstock-Trainingsprogramms auf das Gangbild von Personen mit Parkinson-Krankheit.
PLoS One 2026;21(4):e0341248.

 
 
 
Rauchen erhöht Demenzrisiko: Hinweise auf neue Lunge-Hirn-Achse

Rauchen erhöht Demenzrisiko: Hinweise auf neue Lunge-Hirn-Achse

Der Zusammenhang zwischen Rauchen und Demenz könnte direkter sein als bislang angenommen: Forschende beschreiben eine Lunge-Hirn-Achse, über die durch Nikotin freigesetzte Exosomen die neuronale Eisenhomöostase beeinflussen und neurodegenerative Veränderungen begünstigen.

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KURZMELDUNGEN:

Eine neue Studie deckt auf, wie die Einnahme von Zucker durch Aktivierung des Sympathikus Entspannung entgegenwirkt.
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Eine 12-wöchige Kombination aus Bewegung und kognitiven Aufgaben verbessert die Symptome bei Kindern mit ADHS stärker als reines Ausdauertraining.
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Die deutsche GLIAA-Studie zeigt erstmals die Gleichwertigkeit von FET-PET sowie kontrastmittelverstärkter T1-MRT zur Bestrahlung des rezidivierten Glioblastoms.
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TERMINE:

51. Jahrestagung der Gesellschaft für Neuropädiatrie
7. –9. Mai 2026
Linz (Österreich)

31. Wissenschaftliches Symposium des Norddeutschen Suchtforschungsverbunds
12. Mai 2026
Hamburg

Psychiatrie und Psychotherapie Refresher Berlin
28. –30. Mai 2026
Berlin und online

24. Münchner Neuroradiologie-Symposium
11. –13. Juni 2026
München

 
 

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