Ausgabe 30/2026

Klicken Sie hier, um diesen Newsletter online anzusehen!

newsletter-logo-impuls-neuro
 
 

Mittwoch, 22. Juli 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

in der Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) hat sich in den vergangenen Jahrzehnten enorm viel verändert. Dank moderner Immuntherapien können viele Betroffene heute trotz der Diagnose über lange Zeit ein weitgehend normales Leben führen. Einen weiteren wichtigen Impuls für die Behandlung liefert die randomisierte, doppelblinde Phase-III-Studie OVERLORD-MS, die in Norwegen und Schweden durchgeführt wurde. In der Studie verglichen Forschende die Wirksamkeit der etablierten Ocrelizumab-basierten Standardtherapie mit Rituximab, welches schon seit Jahren off-label eingesetzt wird, aber bisher in der EU nicht offiziell zur Behandlung von MS zugelassen ist. Beide Wirkstoffe richten sich gegen das Oberflächenprotein CD20 auf B-Zellen. Während Ocrelizumab ein humanisierter Antikörper ist, handelt es sich bei Rituximab um einen älteren chimären Antikörper, dessen Patentschutz bereits abgelaufen ist. Entsprechend liegen die Behandlungskosten für Rituximab deutlich niedriger. Die Ergebnisse zeigen nun, dass dieser Kostenvorteil über 30 Monate hinweg nicht mit Einbußen bei der Wirksamkeit oder Sicherheit verbunden ist. Rituximab könnte damit eine kostengünstigere Option für die hochwirksame MS-Therapie darstellen. Gerade vor dem Hintergrund steigender Gesundheitsausgaben könnten die Ergebnisse dazu beitragen, den Zugang zu wirksamen Therapien zu erleichtern.

Auch in der Parkinson-Forschung hat sich wieder einiges getan. Ein internationales Forscherteam mit deutscher Beteiligung konnte zeigen, dass sich mithilfe magnetischer Nanopartikel die Aktivität tief liegender Gehirnstrukturen gezielt beeinflussen lässt. Der Ansatz verfolgt ein ähnliches Ziel wie die tiefe Hirnstimulation, kommt jedoch ohne implantierte Elektroden aus. Stattdessen werden die Nanopartikel durch ein äußeres Magnetfeld ausgerichtet und erzeugen dabei winzige mechanische Kräfte, die benachbarte Zellmembranen verformen und dadurch mechanosensitive Ionenkanäle öffnen. In ihrer Studie injizierten die Forschenden die Nanopartikel in den Nucleus subthalamicus von Mäusen mit parkinsonähnlichen Symptomen und beobachteten eine deutliche Verbesserung der motorischen Symptome, die über den mehrmonatigen Testzeitraum anhielt. Entzündliche Reaktionen, die auf eine Unverträglichkeit hindeuten könnten, wurden nicht gefunden. Als nächsten Schritt möchte die Forschergruppe nach schonenderen Möglichkeiten der Verabreichung suchen, die eine Injektion in das Gehirn ersetzen könnten. Außerdem sollen kleine Wearables entwickelt werden, die Magnetfelder für diese Stimulation erzeugen, wie beispielsweise Stirnbänder. Auch wenn es bis dahin noch einige Jahre dauern wird, sehen die Autoren in der Methode großes Potenzial: Sie wäre nicht nur weniger invasiv und kostengünstiger, sondern könnte mit weiterer Forschung durch Anpassung der Magnetfeldparameter auch flexibler als ein Hirnschrittmacher sein.

Mehr zu diesen und weiteren Themen finden Sie wie immer in diesem Newsletter und auf unserem Nachrichtenportal BIERMANN MEDIZIN.

Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre!




   Ihre
   Lena Johannes

 

 
 
Multiple Sklerose: Kostengünstige Behandlung erweist sich als ebenso wirksam wie die Standardtherapie

Multiple Sklerose: Kostengünstige Behandlung erweist sich als ebenso wirksam wie die Standardtherapie

Eine norwegisch-schwedische klinische Studie, die im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde, zeigt, dass die Behandlung mit einer kostengünstigen Therapie zur B-Zell-Depletion bei neu diagnostizierter schubförmiger Multipler Sklerose (MS) genauso wirksam ist wie die Standardtherapie.

Lesen Sie hier weiter ...
 
 
Advertorial

Kisunla® im Praxisalltag:
Prof. Duning zieht erste Bilanz

Nach den ersten sechs Monaten mit dem Anti-Amyloid-Antikörper Kisunla®[a],1 bei der Behandlung der frühen symptomatischen Alzheimer-Krankheit zieht Prof. Thomas Duning Bilanz. Ein Interview über seine praktischen Erfahrungen, den transparenten Umgang mit den Erwartungen der Betroffenen und die Integration der Therapie in den neurologischen Alltag. Seine persönliche Einschätzung lesen Sie HIER.

1. Fachinformation Kisunla® | Pflichttext Kisunla®

Doctor discusses diagnosis with senior patient
 

Mit Magnetfeldern gegen Parkinson?

Einem internationalen Team ist es gelungen, mit Hilfe eines Magnetfelds die Aktivität von tief im Schädel liegenden Hirnstrukturen gezielt zu beeinflussen. Dazu injizierten die Forschenden magnetische Nanoplättchen in die entsprechende Region. Durch das Magnetfeld gelang es ihnen, die Bewegungsdefizite von Mäusen zu behandeln, die unter Parkinson-ähnlichen Symptomen leiden.

Lesen Sie hier weiter ...
 

 
 
Parkinson: Neue EEG-Signatur könnte Therapien präziser steuern

Parkinson: Neue EEG-Signatur könnte Therapien präziser steuern

Ein neuer EEG-Biomarker könnte das Therapiemonitoring bei Parkinson verbessern: Forschende aus Marburg, Oxford und Köln haben mit der hochfrequenten Beta-Gamma Phasen-Amplituden-Kopplung einen vielversprechenden Kandidaten identifiziert, der künftig helfen könnte, Symptome genauer zu erfassen und Therapien gezielter zu steuern. Die Ergebnisse eröffnen insbesondere neue Perspektiven für adaptive Verfahren der Tiefen Hirnstimulation.

Lesen Sie hier weiter ...
 
 
 

Unsere Auswahl: Aktuelles aus internationalen Journals

Apolipoprotein E ε4 und Typ-2-Diabetes beschleunigen gemeinsam die Amyloid-beta- und Tau-Neurodegeneration.
Eur J Nucl Med Mol Imaging 20.07.2026

Kognitive Langzeitergebnisse zehn Jahre nach Epilepsiechirurgie: Temporallappenresektion versus selektive Amygdalohippokampektomie.
Epilepsia Open 18.07.2026

Semaglutid fördert die Angiogenese und die Reparatur der Blut-Hirn-Schranke nach einem Schädel-Hirn-Trauma über den Signalweg PDGF-BB/PDGFRβ/Ang1/Tie2/VEGF.
Sci Rep 18.07.2026

Hemmung von BLyS und APRIL mit Telitacicept im Vergleich zur konventionellen Immuntherapie bei generalisierter Myasthenia gravis.
Immunotargets Ther 2026:15:616114.

 
 

Neue Immuntherapie gegen autoimmune Neuropathie

Ein interdisziplinäres Team des Universitätsklinikums Jena hat zwei Patientinnen mit einer autoimmunen Neuropathie erfolgreich mit einer ursprünglich zur Behandlung des Multiplen Myeloms entwickelten Immuntherapie behandelt. Über die ungewöhnlichen Krankheitsverläufe berichten die Forschenden in „Nature Communications“.

Lesen Sie hier weiter ...
 

 
 
Zufällig abgespielte Töne im Schlaf beeinträchtigen die Gedächtnisbildung

Zufällig abgespielte Töne im Schlaf beeinträchtigen die Gedächtnisbildung

Ein Freiburger Forschungsteam zeigt: Zufällig eingespielte Töne während des Schlafs stören den Tiefschlaf und verschlechtern dadurch die Gedächtnisbildung.

Lesen Sie hier weiter ...
 
 
 
 

KURZMELDUNGEN:

Eine neue Studie berichtet über Zusammen­hänge zwischen einer ketogenen Ernährung und verbesserten kognitiven und psychiatrischen Symptomen bei psychotischen Störungen.
Weiterlesen ...

Mithilfe moderner bildgebender Verfahren untersuchten Forschende, wie sich die fehlende visuelle Erfahrung auf die Entwicklung des Gehirns auswirkt.
Weiterlesen ...

Eine neue Studie liefert Hinweise darauf, dass ein Holocaust-Trauma der Mutter mit einem erhöhten Schizophrenie-Risiko der Nachkommen verbunden sein kann.
Weiterlesen ...

TERMINE:

13th Annual EANS Vascular Section Meeting
31. August – 2. September 2026
Marseille
 (Frankreich)

3. Jenaer Neurologie Symposium
5. September 2026
Jena

 
 

„IMPULS NEUROLOGIE UND PSYCHIATRIE“ ist ein Titel der Biermann Verlag GmbH in Köln. Sie erhalten diese E-Mail, da Sie für diesen Newsletter angemeldet sind. Sie können in unserem Fachportal weitere Newsletter zu verschiedenen medizinischen Fachrichtungen abonnieren. Sollten Sie kein Interesse mehr an diesem Newsletter haben, können Sie sich hier abmelden. Haben Sie Fragen oder Anregungen zu unseren Themen und Inhalten, freuen wir uns auf Ihre E-Mail: [email protected]. Bitte beachten Sie, dass dieser Newsletter nur Angehörigen der Heilberufe gemäß HWG §10 zugänglich gemacht werden darf; das gilt auch für das Weiterempfehlen und Weiterleiten.

Impressum: Biermann Verlag GmbH | MedCon Health Contents GmbH | HRB Bonn 11110 | HRB Köln 78926

Geschäftsführer: Dr. med. Hans Biermann

Hier vollständiges Impressum aufrufen