Ausgabe 31/2026

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Mittwoch, 29. Juli 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

wann ist nochmal mein nächster Arzttermin, wo liegt meine Brille schon wieder und was wollte ich noch gerade sagen? So oder so ähnlich können erste Gedächtnisprobleme beginnen – doch die Alzheimer-Krankheit hat zu diesem Zeitpunkt bereits eine lange Vorgeschichte. β-Amyloid-Plaques lagern sich bereits Jahrzehnte vor dem Auftreten klinischer Symptome im Gehirn ab. Im weiteren Verlauf kommt es zur Ablagerung von Tau-Fibrillen und schließlich zu ersten Gedächtnis- und Alltagsproblemen. Die Tau-Pathologie gilt daher als wichtiger therapeutischer Ansatzpunkt – so auch bei dem Wirkstoff Ceperognastat. Eine neue US-amerikanische Phase-II-Studie fand allerdings heraus, dass weder eine niedrige noch eine hohe Dosis Ceperognastat die klinische Progression effektiver verlangsamte als ein Placebo. Interessanterweise zeigte sich dennoch ein biologischer Effekt: Die Akkumulation von p-Tau217 nahm ab und im MRT zeigte sich ein geringerer Verlust des Gesamthirnvolumens. Die Ergebnisse werfen also die Frage auf, ob eine Behandlung zum Zeitpunkt, an dem Tau bereits akkumuliert, nicht bereits zu spät ist, um einen wirklichen Einfluss auf die Lebensqualität Betroffener zu haben. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) muss die zeitliche Dynamik der Erkrankung noch besser verstanden werden, um die optimale Behandlungsstrategie zu bestimmen. Der vielversprechendste Ansatz seien momentan Kombinationstherapien, die die komplementären Ziele β-Amyloid und Tau gemeinsam adressieren.

Auch die Parkinson-Therapie steht weiterhin vor Herausforderungen: Zwar gilt Levodopa als wirksamste medikamentöse Behandlung zur Verbesserung motorischer Symptome, doch lässt die Wirkung bei vielen Betroffenen im Verlauf der Erkrankung nach, und es können belastende Nebenwirkungen wie Dyskinesien auftreten. Der Wirkstoffkandidat SB-0110, den Forschende eines aus der University of California San Diego hervorgegangenen Start-up-Unternehmens entdeckt haben, verfolgt einen neuen Ansatz: Mithilfe von Analysen der Genaktivität in Levodopa-behandelten Mausmodellen identifizierten die Forschenden molekulare Veränderungen, die mit der erwünschten motorischen Verbesserung beziehungsweise mit der Entstehung von Dyskinesien verbunden sind. Auf dieser Grundlage suchten sie nach Substanzen, die die positiven Effekte von Levodopa erhalten und gleichzeitig die mit Dyskinesien assoziierten Veränderungen abschwächen könnten. Dabei stießen sie auf SB-0110, einen selektiven positiven allosterischen Modulator der Proteinkinase A. In Nagetier- und nicht-humanen Primatenmodellen verringerte die Gabe des Moleküls zusätzlich zur Levodopa-Therapie das Auftreten von Dyskinesien und verbesserte die Motorik im gleichen Ausmaß wie eine Dosierhöhung von Levodopa. Auch wenn bis zu einer möglichen Anwendung als Therapieoption noch mehrere klinische Studien erforderlich sind, könnte der Wirkstoffkandidat künftig dazu beitragen, die Langzeitverträglichkeit der Levodopa-Therapie zu verbessern.

Mehr zu diesen und weiteren Themen finden Sie wie immer in diesem Newsletter und auf unserem Nachrichtenportal BIERMANN MEDIZIN.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre!




   Ihre
   Lena Johannes

 

 
 
Anti-Tau-Therapie verfehlt klinischen Endpunkt – greift die Alzheimer-Therapie zu spät?

Anti-Tau-Therapie verfehlt klinischen Endpunkt – greift die Alzheimer-Therapie zu spät?

Eine neue Studie zeigt: Die gezielte Beeinflussung der Tau-Pathologie allein reicht offenbar nicht aus, um den Verlauf einer frühen Alzheimer-Krankheit zu verlangsamen. Die Ergebnisse markieren jedoch aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) nicht das Ende der Anti-Tau-Therapie, sondern sprechen für ein Umdenken hin zu früheren Interventionen und Kombinationstherapien.

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Von Anfang an in guten Händen: OCREVUS® in der First Line

Früh konsequent zu handeln, lohnt sich. Denn jede MS ist eine aktive MS. Mit einer wirksamen First Line Therapie können Sie früh einen schützenden Standard für langfristige Stabilität und Ruhe im Alltag mit MS etablieren. Studien zeigen: 99 % der Patient:innen mit OCREVUS® in der First Line konnten ihren NEDA-3-Status im 11. Jahr aufrechterhalten. 

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Wirkstoffkandidat könnte Wirkung von Levodopa bei Parkinson verbessern

Levodopa ist die wichtigste Therapie bei Parkinson, doch mit der Zeit treten häufig Wirkverlust und Dyskinesien auf. Ein präklinischer Wirkstoffkandidat zeigt nun einen möglichen Ansatz, um diese Probleme zu reduzieren.

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MAHA + Thrombos +
Neuro-Symptome = ?

Die Trias aus Thrombozytopenie, MAHA und neurologischen Auffälligkeiten ist in der Notaufnahme nicht selten. Doch wird dabei
an aTTP gedacht? Eine seltene, aber akut lebensbedrohliche Erkrankung. Jede Stunde zählt - ohne Therapie sterben bis zu 90% der Patient*innen.1

aTTP: Erworbene thrombotisch-thrombozytopenische Purpura;
MAHA: Mikroangiopathische hämolytische Anämie.

Pflichttext
1. Kremer Hovinga JA, et al., Blood. 2010;115(8):1500-1511.

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Mehr Orientierung für die Praxis: S3-Leitlinie Schizophrenie aktualisiert

Mehr Orientierung für die Praxis: S3-Leitlinie Schizophrenie aktualisiert

Von digitalen Therapien bis zur medikamentösen Akutbehandlung: Die S3-Leitlinie Schizophrenie – Living Guideline der DGPPN wurde erneut an den aktuellen Stand der Wissenschaft angepasst. Ziel der Überarbeitung ist es, Menschen mit Schizophrenie stets eine optimale, evidenzbasierte Behandlung zu ermöglichen.

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Frühe hormonelle Veränderungen beeinflussen psychische Symptome geschlechtsspezifisch

Forschende der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen haben Daten einer Langzeitstudie ausgewertet und gezeigt, dass frühe hormonelle Veränderungen im Alter zwischen neun und zwölf Jahren mit der Entwicklung psychischer Symptome zusammenhängen können – und zwar geschlechtsspezifisch. Die Studie wurde kürzlich in „Translational Psychiatry“ veröffentlicht.

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Unsere Auswahl: Aktuelles aus internationalen Journals

Hormonelle, metabolische und stressbedingte klinische Unterschiede zwischen episodischer und chronischer Migräne.
BMC Neurol 21.07.2026

Ambulante Rehabilitation kann Suizide nach einer zugezogenen Hirnverletzung verhindern.
J Rehabil Med 21.07.2026

Zusammenhang des Triglyzerid-Glukose-Index (TyG) und eines Körperform-Index (ABSI) mit kognitivem Abbau und Demenzrisiko.
PLoS One 2026;21(7):e0354418.

Eine integrative Multikohorten-Analyse zeigt konsistente geschlechtsspezifische Unterschiede in der Darmmikrobiota von Multiple-Sklerose-Patienten auf.
mSystems 22.07.2026

 
 
 
Wie die Haut warm und kalt unterscheidet

Wie die Haut warm und kalt unterscheidet

Nur eine Gruppe von Thermorezeptoren der Haut nimmt sowohl Kälte als auch Wärme wahr. Das berichtet ein Team vom Max Delbrück Center in ​„Neuron“. Die Studie stellt frühere Annahmen zum Temperaturempfinden infrage und könnte helfen, Störungen dieses sensorischen Systems besser zu verstehen und zu behandeln.

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KURZMELDUNGEN:

Schlaf unterstützt die Gedächtnisbildung und könnte das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer senken.
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Wie wirkt sich Zweisprachigkeit auf das Gehirn aus und welche Rolle spielt das Erlernen einer Fremdsprache im Alter?
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Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) fordert eine gesetzliche Altersgrenze von 13 Jahren für algorithmusbasierte soziale Medien.
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TERMINE:

XXXVI. Congress of the Brazilian Society of Neurosurgery – Joint Meeting with the German Society of Neurosurgery
11.–15. August 2026
Rio de Janeiro (Brasilien)

13th Annual EANS Vascular Section Meeting
31. August – 2. September 2026
Marseille (Frankreich)

3. Jenaer Neurologie Symposium
5. September 2026
Jena

8th International Congress on Borderline Personality Disorder and Allied Disorders
7.–9. September 2026
Lausanne (Schweiz)

 
 

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