Liebe Leserinnen und Leser,
wann ist nochmal mein nächster Arzttermin, wo liegt meine Brille schon wieder und was wollte ich noch gerade sagen? So oder so ähnlich können erste Gedächtnisprobleme beginnen – doch die Alzheimer-Krankheit hat zu diesem Zeitpunkt bereits eine lange Vorgeschichte. β-Amyloid-Plaques lagern sich bereits Jahrzehnte vor dem Auftreten klinischer Symptome im Gehirn ab. Im weiteren Verlauf kommt es zur Ablagerung von Tau-Fibrillen und schließlich zu ersten Gedächtnis- und Alltagsproblemen. Die Tau-Pathologie gilt daher als wichtiger therapeutischer Ansatzpunkt – so auch bei dem Wirkstoff Ceperognastat. Eine neue US-amerikanische Phase-II-Studie fand allerdings heraus, dass weder eine niedrige noch eine hohe Dosis Ceperognastat die klinische Progression effektiver verlangsamte als ein Placebo. Interessanterweise zeigte sich dennoch ein biologischer Effekt: Die Akkumulation von p-Tau217 nahm ab und im MRT zeigte sich ein geringerer Verlust des Gesamthirnvolumens. Die Ergebnisse werfen also die Frage auf, ob eine Behandlung zum Zeitpunkt, an dem Tau bereits akkumuliert, nicht bereits zu spät ist, um einen wirklichen Einfluss auf die Lebensqualität Betroffener zu haben. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) muss die zeitliche Dynamik der Erkrankung noch besser verstanden werden, um die optimale Behandlungsstrategie zu bestimmen. Der vielversprechendste Ansatz seien momentan Kombinationstherapien, die die komplementären Ziele β-Amyloid und Tau gemeinsam adressieren.
Auch die Parkinson-Therapie steht weiterhin vor Herausforderungen: Zwar gilt Levodopa als wirksamste medikamentöse Behandlung zur Verbesserung motorischer Symptome, doch lässt die Wirkung bei vielen Betroffenen im Verlauf der Erkrankung nach, und es können belastende Nebenwirkungen wie Dyskinesien auftreten. Der Wirkstoffkandidat SB-0110, den Forschende eines aus der University of California San Diego hervorgegangenen Start-up-Unternehmens entdeckt haben, verfolgt einen neuen Ansatz: Mithilfe von Analysen der Genaktivität in Levodopa-behandelten Mausmodellen identifizierten die Forschenden molekulare Veränderungen, die mit der erwünschten motorischen Verbesserung beziehungsweise mit der Entstehung von Dyskinesien verbunden sind. Auf dieser Grundlage suchten sie nach Substanzen, die die positiven Effekte von Levodopa erhalten und gleichzeitig die mit Dyskinesien assoziierten Veränderungen abschwächen könnten. Dabei stießen sie auf SB-0110, einen selektiven positiven allosterischen Modulator der Proteinkinase A. In Nagetier- und nicht-humanen Primatenmodellen verringerte die Gabe des Moleküls zusätzlich zur Levodopa-Therapie das Auftreten von Dyskinesien und verbesserte die Motorik im gleichen Ausmaß wie eine Dosierhöhung von Levodopa. Auch wenn bis zu einer möglichen Anwendung als Therapieoption noch mehrere klinische Studien erforderlich sind, könnte der Wirkstoffkandidat künftig dazu beitragen, die Langzeitverträglichkeit der Levodopa-Therapie zu verbessern.
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Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre!
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