Ausgabe 23/2026

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Freitag, 05. Juni 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

die deutsche Durchschnittsfrau ist 69,7 Kilogramm schwer und bei der Geburt ihres ersten Kindes 30,4 Jahre alt. Diese Durchschnittswerte sind über die letzten Jahrzehnte kontinuierlich angestiegen – ebenso wie die Inzidenz des Gestationsdiabetes (GDM). Das potenziell zunehmende Gewicht und Alter der werdenden Mütter spielen sicherlich eine große Rolle für die Entwicklung eines Gestationsdiabetes. Doch gerade deshalb bedarf es besserer Vor- und Nachsorgestrukturen.

Grundlage hierfür ist wiederum ein ausreichendes Verständnis der zugrundeliegenden Pathophysiologie. Ein GDM wird meist als temporäre Stoffwechselstörung verstanden, die nach der Schwangerschaft wieder verschwindet. Neben akuten Komplikationen und Gefahren für Mutter und Kind, haben Schwangere jedoch ein bis zu zehnfach erhöhtes Risiko, später auch an einem Typ-2-Diabetes (T2D) zu erkranken. Von einem temporären Problem kann also schwerlich die Rede sein.

Eine entscheidende Frage: Handelt es sich bei GDM und T2D um zwei unterschiedliche Erkrankungen? Oder ist ersterer lediglich eine frühere Manifestation des T2D – ausgelöst durch die Belastungen der Schwangerschaft? Eine Reihe aktueller Studien gibt nun neue Hinweise: Die Daten legen nahe, dass es in der Tat eine enge genetische Verbindung zwischen GDM und T2D gibt. Dafür sprechen auch die Ergebnisse, dass Schlafstörungen während der Schwangerschaft das Risiko für GDM erhöhen, und dieser wiederum auch bei Normalgewichtigen das Risiko für T2D erhöht.

Außerdem noch ein Update zum Thema Maintenance nach Gewichtsverlust: Auch der Wechsel auf den oralen GLP-1-Agonisten Orforglipron hält nach einer Behandlung mit Tirzepatid oder Semaglutid den Gewichtsverlust weitgehend aufrecht. Gleiches gilt womöglich für ein Bakterienpräparat, das als Nahrungsergänzungsmittel nach einer Formula-Diät eingenommen wird. Die Ergebnisse dieser ersten klinischen Studie seien vielversprechend, so die Einschätzung unabhängiger Expert:innen, sollten aber nicht überinterpretiert werden. Es bleibt abzuwarten, ob und in welchem Ausmaß sich die Ergebnisse bestätigen – dann könnte es aber spannend werden. Eine informative Lektüre und ein schönes Wochenende wünscht Ihnen




   Dr. Milo Klesse
   Redakteur Diabetologie/Endokrinologie

 

 
 
Gestationsdiabetes: Hinweise auf enge genetische Verbindung zu Typ-2-Diabetes

Gestationsdiabetes: Hinweise auf enge genetische Verbindung zu Typ-2-Diabetes

Eine groß angelegte genomweite Assoziationsstudie (GWAS) des GenDiP-Konsortiums hat 37 genetische Risikoloci für Gestationsdiabetes identifiziert, darunter sieben bislang unbekannte Risikovarianten. Die Ergebnisse liefern Hinweise auf eine enge genetische Verwandtschaft von Gestationsdiabetes und Typ-2-Diabetes.

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Gestationsdiabetes erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes – selbst bei Normalgewicht

Gestationsdiabetes stellt laut einer Studie der Universität Göteborg einen starken Risikofaktor für eine spätere Typ-2-Diabetes-Erkrankung dar – selbst bei Frauen, die vor der Schwangerschaft ein normales Körpergewicht aufwiesen. Die Forscher fordern daher frühere Tests und eine bessere Nachsorge.

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Schlafstörungen während der Schwangerschaft mit einem höheren Risiko für Gestationsdiabetes assoziiert

Schlafstörungen während der Schwangerschaft mit einem höheren Risiko für Gestationsdiabetes assoziiert

Eine aktuelle Studie des Universitätsklinikums Kuopio und der Universität Ostfinnland zeigt, dass Schlafstörungen während der Schwangerschaft einen bedeutenden Risikofaktor für Gestationsdiabetes darstellen können.

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Unsere Auswahl: Aktuelles aus internationalen Journals

Klinische und psychologische Phänotypen von Typ-1-Diabetes und Essstörungen – abgeleitet aus einer Fallvignetten-Serie: T1DE-Phänotypen.
Diabetologia 26.05.2026

Approach to the patient: Abklärung eines postmenopausalen Androgenüberschusses.
J Clin Endocrinol Metab 30.05.2026

Auswirkungen von Osilodrostat auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Morbus Cushing: Analyse patientenberichteter Outcomes aus den klinischen Phase-III-Studien LINC 3 und LINC 4.
Clin Endocrinol 01.06.2026

Auswirkungen einer sechswöchigen subkutanen Infusion von nativem GIP – allein oder als Add-on-Therapie zu Semaglutid – bei Menschen mit Typ-2-Diabetes.
Lancet Diabetes Endocrinol 22.05.2026

 
 

ECO 2026: Wechsel auf Orforglipron als wirksame Erhaltungstherapie

Adipöse Menschen, die unter Tirzepatid oder Semaglutid deutlich an Gewicht verlieren, können diesen Gewichtsverlust durch einen Wechsel auf den oralen GLP-1-Rezeptoragonist (GLP-1-RA) Orforglipron weitgehend aufrechterhalten. Das legen die Ergebnisse der ATTAIN-MAINTAIN-Studie nahe.

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Bakterienpräparat könnte Gewichtserhalt nach Formula-Diät unterstützen

Bakterienpräparat könnte Gewichtserhalt nach Formula-Diät unterstützen

Ein Nahrungsergänzungsmittel aus einem pasteurisierten Darmbakterium, Akkermansia muciniphila, könnte bei übergewichtigen Menschen einer neuen Studie zufolge den Gewichtserhalt nach einer Formula-Diät erleichtern. Die Ergebnisse sind vielversprechend – aber noch unzureichend für eine Behandlungsempfehlung.

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PANORAMA:

Der deutsche Durchschnittsmensch wiegt inzwischen 78,3 Kilogramm – und mehr als die Hälfte aller Erwachsenen sind hierzulande übergewichtig.
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Barfußlaufen im Sommer? Für Menschen mit Diabetes kann das schnell gefährlich werden, so die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG).
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Die Kassenärzte sehen eine mögliche Teilkrankschreibung kritisch. Sie warnen vor erheblichen Problemen bei der Umsetzung, medizinisch sowie bürokratisch.
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TERMINE:

Annual Congress of the Central European Diabetes Association 2026
25. – 27. Juni 2026
Düsseldorf

10. Diabetes und Sport-Wochenende in Hennef
18. – 20. September 2026
Hennef

62nd Annual Meeting of the European Association for the Study of Diabetes
28. September – 2. Oktober 2026
Mailand (Italien)

Diabetes Herbsttagung
13. – 14. November 2026
Dresden

 
 

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