Östrogenbasierte Hormontherapien könnten die Gehirngesundheit älterer Frauen schützen

Hirnscans heben Bereiche (rot und grün) hervor, in denen Frauen, die erst später in die Wechseljahre kamen, tendenziell eine dickere äußere Hirnschicht, den sogenannten Kortex, aufweisen. Die Grafik veranschaulicht diesen Zusammenhang für eine Hirnregion, den linken mittleren Okzipitallappen, wo ein späterer Eintritt der Menopause mit einer größeren Dicke der Hirnrinde einherging. (Bild © Watts et al)

Die lebenslange Exposition gegenüber Reproduktionshormonen könnte das Gehirn von Frauen im Alter schützen. Eine US-Studie zeigt: Sowohl hormonelle Verhütung in jungen Jahren als auch eine Hormontherapie in den Wechseljahren waren mit Merkmalen einer besseren Gehirngesundheit assoziiert.

Forschende der University of Kansas (KU) haben bei 459 Frauen im Alter von 65 bis 80 Jahren einen Zusammenhang zwischen der lebenslangen Exposition gegenüber Sexualhormonen und der Gehirngesundheit aufgezeigt. Sie entdeckten, dass eine höhere Exposition häufiger mit einem größerem Volumen in Hirnregionen einherging, die für Gedächtnis, Kognition und Informationsverarbeitung wichtig sind. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift NeuroImage veröffentlicht.

„Die Studie zeigt einen schützenden Effekt: Die Anwendung von östrogenbasierten Hormontherapien wirkte sich positiv auf das Gehirn älterer Frauen aus“, so die Co-Autorin Amber Watts, Professorin für Psychologie an der KU und regelmäßige Kooperationspartnerin der Wissenschaftler des KU Alzheimer-Forschungszentrums. „Das Besondere an dieser Studie ist, dass wir die Anwendung hormonbasierter Medikamente sowohl im frühen Erwachsenenalter als auch in der Lebensmitte untersucht haben. Beide Anwendungsphasen waren mit der Gehirngesundheit älterer Frauen verbunden.“

Verschiedene Formen der Hormonexposition

Die Forscherin der KU erklärte, die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass die lebenslange Ansammlung von Östrogen – zunächst durch Verhütungsmittel und später durch die Hormontherapie in den Wechseljahren – für den positiven Effekt verantwortlich sein könnte. Das Team der Universität Kansas untersuchte daher drei Formen der Hormonexposition:

  • Verwendung hormoneller Verhütungsmittel,
  • Anwendung einer menopausalen Hormontherapie während der Wechseljahre und
  • Natürliche Hormonexposition, geschätzt anhand des Alters beim Eintritt der Menopause.

„Viele Studien haben sich ausschließlich mit den Hormonen in den Wechseljahren befasst und die Vorgänge in früheren Lebensphasen vernachlässigt“, berichtet Watts. „Wenn sich das Gehirn entwickelt, beispielsweise in der Pubertät, finden zahlreiche hormonelle Veränderungen statt. Die langfristigen Auswirkungen auf die Gehirngesundheit wurden bisher kaum beachtet.“

Laut den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) verwenden die meisten amerikanischen Frauen im gebärfähigen Alter Verhütungsmittel. „Ich glaube nicht, dass die meisten Menschen darüber nachdenken“, so Watts. „Wenn Frauen über die Einnahme von Verhütungsmitteln nachdenken, sei es zur Zyklusregulierung oder zur Empfängnisverhütung, denken sie meiner Meinung nach nicht daran, wie sich das später auf ihre Gesundheit auswirken wird.“ Der Forscherin zufolge sollten die Ergebnisse sowohl medizinisches Fachpersonal als auch Anwenderinnen von Verhütungsmitteln dazu anregen, über die langfristigen Folgen nachzudenken.

Hinweise auf schützende Effekte von Östrogen

Laut der Alzheimer’s Association sind fast zwei Drittel der Alzheimer-Patienten Frauen. Watts zufolge könnte das Verständnis, ob Sexualhormone das alternde Gehirn schützen, Strategien zur Reduzierung des Demenzrisikos und zur Förderung eines gesunden kognitiven Alterns ermöglichen.

„Östrogen wirkt neuroprotektiv“, erklärt sie. „Es ist gut für die Integrität der weißen Substanz. Es schützt Neuronen und stärkt neuronale Verbindungen. Außerdem ist es wichtig für die Gefäßfunktion. Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass Östrogen oft nur mit der Fortpflanzung in Verbindung gebracht wird. Tatsächlich ist Östrogen aber für viele verschiedene Körpersysteme sehr wichtig. Es ist wichtig für das Gehirn, das Herz, die Knochendichte und das Immunsystem.“

Watts und ihre Koautoren fanden zudem heraus, dass Frauen, bei denen die Menopause erst später eintritt – und somit länger natürlichen Eierstockhormonen ausgesetzt sind –, in mehreren Hirnregionen, die anfällig für Alzheimer sind, eine dickere Hirnrinde aufweisen.

Laut Watts sprechen die neuen Erkenntnisse grundsätzlich für den Einsatz einer Hormontherapie während der Wechseljahre. Deren Anwendung war seit der Veröffentlichung der Women’s Health Initiative im Jahr 2002 umstritten, da die damaligen Ergebnisse viele Ärztinnen und Ärzte sowie Patientinnen verunsicherten. Inzwischen seien die Befunde jedoch mehrfach neu bewertet worden. Dabei habe sich gezeigt, dass die damaligen Schlussfolgerungen nicht uneingeschränkt auf alle Frauen übertragbar seien.

Auch die kognitive Leistungsfähigkeit profitiert

Die neue Untersuchung knüpft an Watts’ jüngste Forschung zu Hormonen und Gehirngesundheit bei Frauen an – ein Bereich, der weiterhin wenig erforscht ist. Eine verwandte Studie von Watts, die letztes Jahr veröffentlicht wurde, zeigte Zusammenhänge zwischen der Anwendung hormoneller Verhütungsmittel sowie einer Hormontherapie und der kognitiven Leistungsfähigkeit. Besonders Frauen, deren Eierstöcke frühzeitig operativ entfernt worden waren, profitierten demnach von einer Hormontherapie.

(lj/BIERMANN)

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