Reddit-Beiträge geben Einblicke in stille Symptome der Wechseljahre

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Emotionale und kognitive Beschwerden in den Wechseljahren werden in Online-Foren deutlich häufiger thematisiert als bei Arztbesuchen. Eine Analyse von Reddit-Beiträgen und elektronischen Patientenakten deutet darauf hin, dass wichtige Symptome in der medizinischen Versorgung bislang oft unberücksichtigt bleiben.

Fast die Hälfte der Weltbevölkerung erlebt die Wechseljahre, doch viele der damit verbundenen emotionalen, kognitiven und sozialen Auswirkungen werden bei Arztbesuchen oft nicht angesprochen. Eine neue, in JAMA Network Open“ veröffentlichte Studie unter der Leitung von Prof. Yulin Hswen von der University of Maryland (USA) beleuchtet diese „stillen Symptome“, indem sie ärztliche Dokumentationen zu Wechseljahresbeschwerden mit den beliebtesten Beiträgen in Reddit-Foren zu diesem Thema vergleicht.

Emotionale und kognitive Symptome werden seltener ärztlich dokumentiert

„Wir haben festgestellt, dass emotionale und kognitive Symptome der Wechseljahre – wie etwa kognitive Beeinträchtigungen – in Online-Foren etwa drei- bis viermal häufiger zur Sprache kamen als beim Arzt. Diese Symptome sind in den Gesprächen der Frauen selbst weitaus präsenter als in herkömmlichen ärztlichen Dokumentationen und werden von unserem Gesundheitssystem nicht erfasst“, erklärt Hswen.

Hswen und ihr Team nutzten KI, um mehr als zwei Millionen elektronische Patientenakten der University of California San Francisco (USA) sowie die 999 beliebtesten Beiträge aller Zeiten aus Reddit-Foren zu den Wechseljahren (r/menopause) zu durchsuchen. Dabei identifizierten sie 646 ärztliche Dokumentationen und 577 Reddit-Beiträge, die persönliche Berichte über Wechseljahresbeschwerden enthielten und für die Analyse herangezogen wurden.

In den Reddit-Beiträgen wurden Beschwerden wie kognitive Beeinträchtigungen, emotionales Wohlbefinden und Gewichtsveränderungen deutlich häufiger thematisiert als in den ärztlichen Dokumentationen der Patientenakten. So wurden kognitive Beeinträchtigungen beispielsweise in rund 20 Prozent der Reddit-Beiträge erwähnt, während sie bei nur etwa 5 Prozent der Arztbesuche dokumentiert wurden – ein Unterschied um den Faktor vier.

In den ärztlichen Dokumentationen wurden hingegen häufiger körperliche Symptome wie Hitzewallungen und nächtliche Schweißausbrüche sowie Themen wie Hormonersatztherapie (HRT), Lebensstiländerungen, sexuelle Gesundheit, Behandlungen ohne Hormone und pflanzliche Mittel genannt. Bei Symptomen wie Schlafstörungen, Veränderungen an Haut und Haaren sowie Knochen- und Gelenkgesundheit zeigten die Daten keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Reddit-Beiträgen und ärztliche Dokumentationen.

Online-Communities ergänzen die klinische Versorgung

Hswen betont, dass das Fehlen eines Symptoms in der medizinischen Akte keinesfalls mit dem Fehlen des Symptoms an sich gleichgesetzt werden darf. Emotionale Gesundheit, Gedächtnisverlust, Angstzustände und kognitive Veränderungen können tiefgreifende Auswirkungen auf die Lebensqualität, die Arbeitsfähigkeit, Beziehungen und die Bewältigung des Alltags haben. „Wenn wir diese Symptome nicht erkennen und dokumentieren, können wir sie weder wirksam erforschen noch die Versorgung verbessern. Deshalb sind soziale Foren so wichtig, um stigmatisierte oder kaum verstandene Zustände wie die Perimenopause und die Menopause besser zu verstehen. Elektronische Patientenakten zeigen uns, was die Medizin wahrnimmt. Online-Communities vermitteln uns, was Patienten tatsächlich erleben. Wir brauchen beides.“

(lj/BIERMANN)

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