Rezidive beim Medulloblastom verhindern2. Juni 2026 Das Medulloblastom ist der häufigste bösartige Hirntumor im Kindesalter. (Foto: © pikovit – adobe.com) Forschende aus den USA arbeiten daran, Rezidive des Medulloblastoms zu verhindern. Erste Ansätze sind vielversprechend, doch bislang beschränken sich die Erfolge auf präklinische Modelle. Für die meisten Kinder, bei denen ein Medulloblastom – der häufigste bösartige kindliche Hirntumor – diagnostiziert wurde, sind die Überlebensraten vielversprechend. Bei etwa 30 Prozent der Patienten kehrt der Krebs jedoch wieder zurück – mit verheerenden Folgen. „Sobald der Tumor zurückkehrt, liegt die langfristige Überlebensrate nahe Null“, erklärt Dr. Jezabel Rodriguez Blanco, die sowohl am Hollings Cancer Center als auch am Darby Children’s Research Institute der Medical University of South Carolina (USA) tätig ist. „Das ist die Gruppe, der wir mit dieser Forschung helfen wollen.“ In einer in „Cell Death & Disease“ veröffentlichten Studie identifizierte das Forscherteam unter der Leitung von Blanco einen möglichen Weg, um Rezidive bei Medulloblastomen zu verhindern, indem es gezielt die Tumorzellen ins Visier nimmt, die die konventionelle Behandlung am ehesten überleben und das erneute Wachstum vorantreiben. Der Ursache des Rückfalls auf den Grund gehen Im Mittelpunkt ihrer Forschung steht eine kleine Gruppe von Tumorzellen, die sich selbst erneuern kann, die sogenannte Sox2⁺-Zellpopulation. Im Gegensatz zum Rest des Tumors teilen sich diese Zellen langsamer und nutzen andere biologische Signalwege, wodurch sie Standardbehandlungen entgehen und neues Tumorwachstum fördern können. Gesteuert die Sox2⁺-Zellpopulation vom Gliom-assoziierten Onkogen-Homolog (GLI). Bereits in früheren Forschungsarbeiten hatten Blanco und ihr Team gezeigt, dass eine GLI-Hemmung das Tumorwachstum verlangsamen und das Rückfallrisiko verringern kann. In der neuen Studie zeigen die Forschenden nun, dass Pyrvinium, ein von der FDA zugelassener translationaler GLI-Inhibitor, durch Aktivierung der Casein-Kinase-1α (CK1α) die GLI-Signalwege unterdrücken und somit das Tumorwachstum dämpfen kann. Pyrvinium zielt zudem auf die WNT-gesteuerte Selbsterneuerung der Tumorzellen ab, was einen Vorteil gegenüber anderen GLI-gerichteten Ansätzen darstellt. In präklinischen Modellen blockierte Pyrvinium die Selbsterneuerung des Medulloblastoms, verlängerte die Zeit bis zum Rezidiv und verringerte das Rezidivrisiko insgesamt. Diese doppelte Zielausrichtung könnte den Forschenden zufolge der Grund für die höhere Wirksamkeit des Ansatzes sein. Denn bei Behandlungen, die nur auf einen Signalweg abzielen, schrumpfen die Tumoren zwar oft zunächst. Da dabei aber häufig die Zellen verfehlt werden, die das erneute Tumorwachstum antreiben, werden bei manchen Patienten keine dauerhaften Ergebnisse erzielt. Den Forschenden zufolge könnte der neue Ansatz hier eine Lösung bieten, indem er denselben biologischen Prozess über einen anderen Mechanismus angreift. Vielversprechende – aber noch frühe – Ergebnisse Trotz der ermutigenden Ergebnisse betont Blanco, dass sich die Arbeit noch in einem frühen Stadium befinde. „In unseren Modellen funktioniert dies sehr gut“, erklärt sie. „Aber es ist noch ein langer Weg, bis daraus eine Behandlung für Patienten wird.“ Eine große Hürde ist die Verabreichung. Pyrvinium passiert die Blut-Hirn-Schranke nicht ohne Weiteres, was seine direkte Anwendung bei Hirntumoren einschränkt. Um dieses Problem zu lösen, testete das Team ein Derivat des Wirkstoffes, welches das Gehirn erreichen kann – mit vielversprechenden Ergebnissen in präklinischen Modellen. Der nächste Schritt wird darin bestehen, die Verbindung weiterzuentwickeln und zu verfeinern, um sicherzustellen, dass sie wirksam und sicher für die Anwendung bei Kindern ist. „Wir passen Krebsbehandlungen für Erwachsene oft an Kinder an. Doch pädiatrische Tumoren sind anders, und die langfristigen Nebenwirkungen können schwerwiegend sein“, betont Blanco. „Insbesondere für Familien, deren Kinder einen Rückfall erleiden, könnte die Lage nicht ernster sein.“ Indem sie den Fokus auf die Zellen legen, die das Wiederauftreten vorantreiben, weist die Forschung der Wissenschaftler in eine neue Richtung – eine, die nicht nur darauf abzielt, Tumore zu verkleinern, sondern auch zu verhindern, dass sie zurückkehren. „Hier geht es darum, die Ursache des Rückfalls zu bekämpfen“, betont Blanco. „Wenn uns das gelingt, haben wir eine echte Chance, die Prognosen für diese Kinder zu verbessern.“ (ej/BIERMANN)
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