RNA-Therapie bremst krankhafte Umbauprozesse nach Herzinfarkt15. Mai 2026 Thomas Thum will mit RNA-basierter Therapie die Herzgesundheit nach Infarkt verbessern. (Bild: ©Karin Kaiser/MHH) Nach Herzinfarkt droht eine chronische Herzinsuffizienz durch kardiales Remodeling. Eine internationale Phase-II-Studie zeigt nun: Der RNA-Wirkstoff CDR132L könnte diesen Prozess bremsen – besonders bei bereits schwer geschädigten Herzen. Nach einem akuten Herzinfarkt kommt es häufig zu einem kardialen Remodeling, das in einer reduzierten linksventrikulären Pumpfunktion mündet. Vor mehr als zehn Jahren entdeckte ein Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), dass ein massives Vorkommen der MikroRNA-132 (miR-132) in direktem Zusammenhang mit der krankhaften Zunahme der Herzmuskelzellen steht und somit ein zentraler Regulator der kardialen Hypertrophie ist. Phase-II-Studie bestätigt Wirkung von CDR132L Das Team um Prof. Thomas Thum, Direktor des Instituts für Molekulare und Translationale Therapiestrategien der MHH, hat den Antisense-Oligonukleotid-Blocker CDR132L entwickelt, der miR-132 als den Hauptschalter der kardialen Hypertrophie blockiert und die chronische Herzinsuffizienz rückgängig machen kann. Das haben die Forschenden bereits im Tiermodell und in frühen klinischen Studien nachgewiesen (wir berichteten hier und hier). Nun wurde der Wirkstoffkandidat CDR132L in einer internationalen klinischen Phase-II-Studie bei Patientinnen und Patienten mit kürzlich erlittenem Herzinfarkt und reduzierter linksventrikulärer Ejektionsfraktion untersucht. Die Studie HF-REVERT hat gezeigt, dass insbesondere Betroffene mit bereits fortgeschrittenem Umbauprozessen im Herzen zu Studienbeginn von einer Behandlung mit CDR132L profitieren könnten. Die Ergebnisse der Studie wurden am 10. Mai 2026 auf dem Kongress der Heart Failure Association (HFA) der European Society of Cardiology in Barcelona (Spanien) vorgestellt und zeitgleich in „Nature Medicine“ veröffentlicht. CDR132L hilft vor allem Schwerkranken Die HF-REVERT-Studie wurde in sieben europäischen Ländern sowie im Vereinigten Königreich an rund 80 Studienzentren durchgeführt. Insgesamt wurden 294 Patientinnen und Patienten innerhalb von drei bis 14 Tagen nach Herzinfarkt nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen eingeteilt. So erhielten sie zusätzlich zur Standardbehandlung einer Herzschwäche entweder CDR132L in zwei unterschiedlichen Dosierungen oder ein Placebo, verabreicht in drei intravenösen Gaben im Abstand von jeweils vier Wochen. Die Auswertung erfolgte an 280 Patientinnen und Patienten, die mindestens eine Dosis erhalten hatten. „Unsere Studie hat nachgewiesen, dass CDR132L sicher und verträglich ist und keine schädlichen Nebenwirkungen auf Leber, Nieren, das blutbildende System oder das Herz ausübt“, erläutert Thum die Studienergebnisse. CDR132L wirkte vor allem bei Betroffenen mit bereits fortgeschrittenem kardialem Umbau, deren Herz also bereits schwer geschädigt war. „Diese Beobachtungen unterstützen die weitere klinische Entwicklung des Wirkstoffs, insbesondere im Bereich der chronischen Herzinsuffizienz“, betont der Kardiologe. Die Ergebnisse seien ein wichtiger Schritt hin zu RNA-basierten Therapien in der Kardiologie. Erfolgreiche Ausgründung CDR132L wurde von Cardior Pharmaceuticals GmbH entwickelt, das 2016 von Thum gegründet wurde und auf seiner Forschung am Institut für Molekulare und Translationale Therapiestrategien basiert. Derzeit laufen zwei weitere klinische Studien bei Patientinnen und Patienten mit chronischer Herzschwäche unter der Leitung des dänischen Pharmakonzerns Novo Nordisk, der das biopharmazeutische Unternehmen Cardior im Jahr 2024 übernommen hatte. (ah/BIERMANN) Weitere Projekte aus der MHH-Arbeitsgruppe um Thum: Molekularer Schalter für Makrophagen-Polarisierung nach Herzinfarkt entdeckt MHH-Projekt: Naturstoff-Spray gegen Lungenfibrose Mit zielgerichteten AAV-Vektoren gegen Herzerkrankungen
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