Schwere Pneumonie: Früher Wechsel auf orale Antibiotika ist sicher5. August 2026 Foto: © N F/peopleimages.com – stock.adobe.com Bei Kindern, die wegen einer schweren ambulant erworbenen Pneumonie stationär behandelt werden müssen, ist ein frühzeitiger Wechsel von injizierbaren auf orale Antibiotika sicher und effektiv. Dies zeigt eine in „The Lancet“ veröffentlichte internationale klinische Studie. Die Pneumonie zählt weltweit zu den häufigsten infektiösen Todesursachen bei Kindern, insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Die aktuellen Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehlen bei schwerer ambulant erworbener Pneumonie (CAP) eine fünftägige Behandlung mit injizierbaren Antibiotika. Dies führt zu einem längeren Verbleib im Krankenhaus, selbst sich der klinische Zustand der Kinder bereits deutlich verbessert hat. Lange Krankenhausaufenthalte belasten jedoch nicht nur die Patienten und ihre Angehörigen, sondern erhöhen auch das Risiko für nosokomiale Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern. Umstellung auf orale Antibiose ist sicher und effektiv Die PediCAP-Studie ist eine der größten Untersuchungen zur antibiotischen Behandlung schwerer kindlicher Pneumonien in Afrika. In die Studie wurden 1101 Kinder im Alter zwischen zwei Monaten und sechs Jahren eingeschlossen, die in 13 Krankenhäusern in Südafrika, Uganda, Sambia, Simbabwe und Mosambik behandelt wurden. Alle Probanden begannen die Therapie zunächst mit einem von der WHO empfohlenen injizierbaren Antibiotikum. Sobald eine klinische Stabilisierung eintrat, wurde ein Teil der Kinder zufällig einer Gruppe zugewiesen, die entweder auf orales Amoxicillin (250 mg) oder Amoxicillin-Clavulansäure (200 mg Amoxicillin + 28,5 mg Clavulansäure) umgestellt wurde. Diese Gruppen wurden mit Kindern verglichen, die die volle fünftägige injizierbare Therapie erhielten. Die Ergebnisse der Studie belegen die Nicht-Unterlegenheit des oralen Wechsels: So erholten sich Kinder, die auf orale Gaben umgestellt wurden, ebenso gut wie jene unter parenteraler Therapie. Zudem konten sie das das Krankenhaus durchschnittlich einen Tag früher verlassen. Eine Gesamtdauer der Antibiose von vier bis fünf Tagen erwies sich als ebenso effektiv wie längere Kurse von sieben bis acht Tagen. Die Raten für Krankenhaus-Wiederaufnahmen oder Todesfälle innerhalb von 28 Tagen waren in allen Gruppen vergleichbar (6 % bei Amoxicillin, 7 % bei Amoxicillin-Clavulansäure und 6 % bei injizierbaren Antibiotika). Potenzial für globale Leitlinienänderungen „Unsere Studie zeigt, dass es sicher ist, auf orale Antibiotika umzustellen und die Behandlung zu Hause abzuschließen, sobald sich der Zustand eines Kindes klinisch verbessert“, betont Prof. Julia Bielicki, Professorin für pädiatrische Infektiologie an der City St George’s, University of London (Großbritannien) und Co-Leiterin der Studie. Da Amoxicillin kostengünstig und weit verfügbar ist, könnten diese Erkenntnisse die klinische Praxis weltweit verändern. Die Forscher hoffen, dass die robusten Daten der PediCAP-Studie dazu beitragen werden, die globalen Behandlungsrichtlinien der WHO anzupassen. Dies würde nicht nur die medizinische Versorgung verbessern, sondern auch die wirtschaftliche Belastung für Familien durch Verdienstausfälle der Pflegepersonen verringern.
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