Stärkt Waldboden die Kindergesundheit?

In der Natur gibt es für Kinder viel zu entdecken. (Foto: © Kristin Gründler – stock.adobe.com)

In der Langzeitstudie „Kleine Eulen OWL“ begleitet ein Forschungsprojekt des Evangelischen Klinikums Bethel (EvKB) am Universitätsklinikum OWL rund 1000 Neugeborene bis zum Erwachsenenalter. Ziel ist es, die Entwicklung des Mikrobioms und den Einfluss früher Lebensbedingungen auf Gesundheit und spätere Krankheitsrisiken zu verstehen.

Billionen Viren, Pilze und Bakterien besiedeln unseren Körper: Gemeinsam bilden sie das Mikrobiom. „Das sind keinesfalls immer krankmachende Keime. Sie helfen sogar dabei, die Immunabwehr zu unterstützen“, erklärt der wissenschaftliche Leiter der Studie, Prof. Eckard Hamelmann, Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin am EvKB. Das Mikrobiom wird besonders in den frühen Lebensjahren geprägt. Der Zusammenhang: Durch den Kontakt mit Mikroorganismen kann das Immunsystem lernen, gefährliche Krankheitserreger von harmlosen Allergenen zu unterscheiden.

In dem groß angelegten Forschungsprojekt der Universität Bielefeld werden in den kommenden Jahren rund 1000 Neugeborene und ihre Familien aus der Region Ostwestfalen-Lippe begleitet. Zunächst analysieren die Forschenden die Einflüsse von Erbgut, Schwangerschaft und Geburt, Stress und Belastung, Umwelt, Familie, Haustieren, Lebensstil und Medikamenten auf das Mikrobiom der Kinder in den ersten sechs Lebensjahren.

Von Bodenproben bis Waldspielgruppe

Innerhalb dieser Langzeituntersuchung untersucht das Team jetzt in einer vom Bundes-Forschungsministerium mit rund zwei Millionen Euro geförderten Teilstudie den Kontakt mit der Natur: „Wir gehen davon aus, dass Kontakte mit natürlichen Mikroorganismen in den ersten Lebensjahren die Entwicklung des Immunsystems positiv beeinflussen können. Die ENDEMIC-Studie untersucht, ob und in welchem Ausmaß dadurch das Risiko für Erkrankungen wie Allergien, Asthma oder ADHS verändert wird“, erläutert die Forschungsleiterin Dr. Patricia Maasjosthusmann. Vor dem Hintergrund steigender Zahlen bei chronischen Erkrankungen wären das wertvolle Forschungsergebnisse.

Im ersten Teil von ENDEMIC erfassen die Forschenden die biologische Vielfalt im Lebensumfeld der Kinder. „Wir haben 200 teilnehmende Familien befragt, wo und wie die Kinder spielen, ob sie im Sandkasten oder in der Erde buddeln. Wir haben zum Beispiel geschaut, welche Pflanzen und Bäume in Gärten oder angrenzenden Grünflächen vorkommen, haben Bodenproben genommen und Kartenmaterial ausgewertet“, erklärt Maasjosthusmann.

Für den zweiten Teil der Studie kommt die Waldspielgruppe ins Spiel. 23 zufällig zugeteilte Familien gehen von April bis Oktober wöchentlich eine Stunde gemeinsam in den Wald. Weitere rund 20 Familien bilden die Kontrollgruppe. Betreut wird die Waldspielgruppe vom Bielefelder Verein Natursinn. Petra Micke berichtet von Kindern, die es genossen, mit Erde und aufgefangenem Regenwasser zu matschen. „Wir helfen gern dabei zu belegen, dass es so eine Vielfalt wie in der Natur sonst nirgends gibt“, erklärt Vereinsmitbegründerin Sandra Thyke.

Ergebnisse 2027 erwartet

Die Entwicklung des Mikrobioms wird regelmäßig durch Abstriche und Proben untersucht. Erste Ergebnisse werden 2027 erwartet. Das Forschungsteam hofft, daraus einfach umsetzbare Ratschläge für Eltern ableiten zu können. Denkbar sind auch Impulse für die Stadt- und Landschaftsplanung, etwa Spielplätze, die mehr Kontakt zu mikroorganismenreicher Erde bieten. Auch neue therapeutische Ansätze könnten entstehen, die das Mikrobiom gezielt unterstützen.

Werdende Eltern und Familien mit Neugeborenen in und um Bielefeld können weiterhin an „Kleine Eulen OWL“ teilnehmen.