Taille-Hüft-Verhältnis präziser als BMI zur Einschätzung des kardiovaskulären Risikos12. August 2026 Bildquelle: prisilia/stock.adobe.com Der Body-Mass-Index (BMI) allein ist kein ausreichender Indikator für das kardiovaskuläre Risiko. Laut einer aktuellen Studie kann die Vernachlässigung des Taillenumfangs oder des Taille-Hüft-Verhältnisses insbesondere bei Normalgewichtigen zu einer Fehleinschätzung des Herz-Kreislauf-Risikos führen. Der BMI wird klassischerweise zur Diagnose von Übergewicht und Adipositas herangezogen, allerdings berücksichtigt er nicht die Verteilung des Körperfetts. Insbesondere das viszerale Fett, welches die inneren Organe im Bauchraum umgibt, steht in engem Zusammenhang mit chronischen Leiden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Trotz dieser Evidenz, die abdominale Adipositas mit negativen gesundheitlichen Folgen verknüpft, bleibt der BMI der am häufigsten genutzte Parameter. Die nun in der Fachzeitschrift „JACC“ veröffentlichten Ergebnisse bestätigen die Problematik der BMI-gestützten Klassifikation. „Es scheint tatsächlich so, dass der Taillenumfang (WC) und das Taille-Hüft-Verhältnis (WtHR) das durch traditionelle BMI-Schwellenwerte definierte Risiko neu klassifizieren“, erklärt Dr. Michael J. Blaha, Seniorautor der Studie und Leiter der klinischen Forschung am Johns Hopkins Ciccarone Center for the Prevention of Cardiovascular Disease (USA). Fehleinschätzung bei normalgewichtigen Personen Die Forschenden analysierten Daten von über 260.000 Personen über einen Zeitraum von durchschnittlich 20 Jahren. Unter den Personen, die laut BMI als normalgewichtig galten, wiesen fünf Prozent einen hohen WC und 18 Prozent ein hohes WtHR auf. Im Vergleich dazu hatten 39 Prozent der Übergewichtigen einen hohen WC und 40 Prozent ein hohes WtHR. Umgekehrt zeigten neun Prozent der Adipösen einen niedrigen WC und sogar 45 Prozent ein niedriges WtHR. Weiter zeigen die Ergebnisse, dass Personen mit klinisch erhöhtem WC und WtHR ein 15 bis 50 Prozent höheres Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Herzinsuffizienz haben – ungeachtet ihres BMI. Demnach sind auch Normalgewichtige, bei denen eine abdominale Adipositas vorliegt, einem höheren kardiovaskulären Risiko ausgesetzt. Fettverteilung als Teil der Risikobewertung „Sich allein auf den BMI zu verlassen, kann bei einer Vielzahl von kardiovaskulären Ereignissen zu einer Fehlklassifizierung führen“, betont Erstautorin Dr. Zeina A. Dardari. Die Ergebnisse verdeutlichen die Notwendigkeit, bei der kardiovaskulären Risikoeinschätzung die Fettverteilung über das gesamte BMI-Spektrum hinweg zu berücksichtigen. Dr. Harlan M. Krumholz, Chefredakteur des „JACC“, plädiert daher für ein Umdenken: „Es ist an der Zeit, den alleinigen Fokus auf den BMI aufzugeben. Entscheidend ist, wo das Fett verteilt ist – und diese einfachen Messungen sollten Teil der routinemäßigen Risikobewertung sein.“ Gleichzeitig merken die Autorinnen und Autoren an, dass ihnen weder Angaben zur körperlichen Aktivität noch zu Ernährungsgewohnheiten oder genetischen Faktoren der Personen vorlagen. Zudem wurden die Daten zu WC und WtHR lediglich einmalig erhoben, weshalb potenzielle Veränderungen der Parameter im zeitlichen Verlauf ebenfalls keine Berücksichtigung in der Studie finden. (mkl/BIERMANN) Weitere Artikel zum Thema: Adipositas wirkt sich bei Männern und Frauen unterschiedlich auf die Gesundheit aus Fettablagerung im Pankreas erhöht Risiko für kardiovaskuläre und Stoffwechselerkrankungen
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