Urologen müssen die risikoadaptierte Prostatakrebs-Früherkennung wohl selbst organisieren29. September 2026 Wenig zuversichtlich, dass die Politik bei der Prostatakrebs-Früherkennung Chancengleichheit herstellt: Maurice Stephan Michel beim 78. DGU-Kongress. Foto: Schmitz Bekommt Deutschland bald ein organisiertes Prostatakrebs-Früherkennungsprogramm? Prof. Maurice Stephan Michel, inzwischen Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU), gab sich beim 78. DGU-Kongress in Düsseldorf skeptisch. An seine Kollegen richtete er deshalb einen Appell. Von Markus Schmitz „Die Politik wird es aus meiner Sicht nicht schaffen. Wir werden kein GKV-basiertes Screening bekommen, wir werden die PSA-Untersuchung und das MRT nicht finanziert bekommen“, sagte Michel in der Plenarsitzung „Urologie im Spannungsfeld“ am 16.09.2026 im Saal 1 des Congress Center Düsseldorf. Derzeit liegt der Fall beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), der letztlich beschließt, welche Leistungen von der Gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat auch dem neuartigen Screening-Algorithmus kein positives Nutzen-Schaden-Verhältnis zuerkannt (wir berichteten). Dieser Algorithmus sieht eine abgestufte Diagnostik mithilfe des Prostataspezifischen Antigens (PSA), der Magnetresonanztomographie (MRT) und von Prostatabiopsien vor. Ziel ist es, klinisch signifikante Karzinome zu erkennen, aber gleichzeitig Überdiagnostik und -therapie mit ihren negativen Folgen zu verringern. Vier Ären der Prostatakrebs-Früherkennung Michel schilderte in seinem Vortrag, wie es dazu kam. Insgesamt machte der 1. DGU-Vizepräsident, der nach dem Kongress turnusgemäß zum DGU-Präsidenten aufgerückt ist, vier „Ären“ der Prostatakarzinom-Früherkennung in Deutschland aus. Am längsten, nämlich von 1971 bis 2016, dauerte die Ära I, in der lediglich die digital-rektale Untersuchung zur Früherkennung verhelfen sollte. Dann folgte in Ära II zwischen 2018 und 2021 die erste G-BA-Bewertung der PSA-basierten Früherkennung – mit negativem Ausgang. In der Ära III von 2022 bis 2025 kam die risikoadaptierte Früherkennung mithilfe von PSA und MRT auf. Seit 2025, in der Ära IV, läuft nun die Neubewertung der Prostatakrebs-Früherkennung. Evidenz geliefert – aber vergebens „Wir sind genau auf die Kritikpunkte der ersten Nutzenbewertung eingegangen und konnten liefern – und zwar sehr viel und sehr gute Evidenz“, betonte Michel. Trotzdem erteilte das IQWiG dem Screeningprogramm in seinem Vorbericht eine Absage. „Warum ist das so? Zum einen haben wir die Daten zum PSA-Screening und zur Senkung der Mortalitätsrate, zum anderen haben wir die Studien und gute Evidenz über das risikoadaptierte MRT-basierte Vorgehen Aber wir haben nicht die Evidenzverknüpfung von beidem“, erklärte der Mannheimer Klinikdirektor. „Ich finde die Betrachtung sehr schwierig nachzuvollziehen, weil ich 1 und 1 zusammenzählen kann und weiß, was rauskommt, und ich glaube, Sie wissen auch, wenn Sie die eine Evidenz und die andere zusammenzählen, was da raus kommt. Da liegt für mich ein zentraler Widerspruch in dieser Bewertung.“ „Es liegt an uns, dass wir die Verantwortung erkennen“ Michel wies darauf hin, dass vor allem besser Gebildete das derzeitige opportunistische Screening, wie es in den Praxen angeboten wird, in Anspruch nehmen. Weniger Gebildete, die möglicherweise auch nicht perfekt Deutsch sprechen, erhielten keinen Zugang, bemängelte der ehemalige DGU-Generalsekretär. Hier sieht der Urologe eine große Gerechtigkeitslücke, die ihn „sehr, sehr traurig“ macht. „insgesamt bin ich pessimistisch, dass wir tatsächlich endlich mal eine Chancengleichheit herstellen.“ Daher appellierte er an seine Kollegen, das risikoadaptierte Screening selbst in den Praxen umszusetzten: „Es liegt an uns, dass wir die Verantwortung erkennen, in der wir stecken, und dass wir versuchen, die Männer zu uns zu bringen und ihnen zu erklären, dass das für sie sehr, sehr wichtig ist.“ Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Der Weg zu einem deutschen Prostatakrebs-Screening-Programm ist lang und beschwerlich Prostatakrebs: Forschst du noch oder screenst du schon?
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