WHO warnt: Hepatitis bleibt trotz Fortschritten eine globale Gesundheitsgefahr

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Laut einem neuen Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Ende April auf dem World Hepatitis Summit in Bangkok (Thailand) veröffentlicht wurde, stellen Hepatitiden immer noch weltweit eine große Herausforderung dar.

Im Jahr 2024 haben Virushepatitis B und C – die beiden Infektionen, die weltweit für 95 Prozent der hepatitisbedingten Todesfälle verantwortlich sind – laut neuesten Daten 1,34 Millionen Menschenleben gefordert. Gleichzeitig sei die Übertragung von Hepatitisviren weiter vorangeschritten, teilte die WHO mit – sie spricht von mehr als 4900 Neuinfektionen täglich beziehungsweise 1,8 Millionen pro Jahr.

Dabei dokumentiert der Global Hepatitis Report 2026 auch die seit dem Jahr 2015 erzielten signifikanten Fortschritte. Die jährliche Zahl der Neuinfektionen mit Hepatitis B ist demnach weltweit um 32 Prozent gesunken, die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Hepatitis C um zwölf Prozent. Auch die Prävalenz von Hepatitis B bei Kindern unter fünf Jahren ist dem Bericht zufolge auf 0,6 Prozent zurückgegangen, wobei 85 Länder das Ziel von 0,1 Prozent, das für das Jahr 2030 gesteckt worden war, bereits erreicht oder übertroffen haben.

Diese Erfolge spiegeln nach Angaben der WHO die Wirkung „nachhaltiger und koordinierter globaler und nationaler Maßnahmen“ wider, die auf die Annahme der WHO-Ziele zur Eliminierung viraler Hepatitis durch die Mitgliedstaaten anlässlich der World Health Assembly im Jahr 2016 folgten. In ihrem aktuellen Bericht warnt die Organisation jedoch, dass die derzeitigen Fortschritte nicht ausreichen werden, um alle Eliminierungsziele für 2030 zu erreichen. Unterstrichen wird dabei auch die dringende Notwendigkeit, das Tempo zu erhöhen ‒ bei Prävention, Testung und Therapie.

„Weltweit zeigen Länder, dass die Eliminierung von Hepatitis kein unrealistischer Traum ist, sondern mit nachhaltigem politischen Engagement und verlässlicher nationaler Finanzierung möglich ist“, erklärte Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO, auf dem World Hepatitis Summit. „Gleichzeitig zeigt dieser Bericht, dass die Fortschritte zu langsam und ungleichmäßig sind. Viele Menschen bleiben aufgrund von Stigmatisierung, schwachen Gesundheitssystemen und ungleichem Zugang zur Gesundheitsversorgung [als Hepatitispatienten] unerkannt und unbehandelt. Obwohl wir die Mittel haben, Hepatitis als Bedrohung der öffentlichen Gesundheit zu eliminieren, ist ein dringender Ausbau von Prävention, Diagnose und Behandlung erforderlich, damit die Welt die Ziele für 2030 erreichen kann.“

Globale Last und Versorgungslücken

Aktualisierte Schätzungen der WHO gehen davon aus, dass im Jahr 2024 insgesamt rund 287 Millionen Menschen mit einer chronischen HBV- oder HCV-Infektion lebten. Im selben Jahr infizierten sich 0,9 Millionen Menschen neu mit Hepatitis B. 68 Prozent dieser Neuinfektionen entfielen auf die WHO-Region Afrika, doch nur 17 Prozent der Neugeborenen in dieser Region erhielten die HBV-Impfung direkt nach der Geburt.

Weitere 0,9 Millionen Hepatitis-C-Infektionen wurden im Jahr 2024 registriert. 44 Prozent der Neuinfektionen betrafen Drogenkonsumenten, was laut der WHO den dringenden Bedarf an verstärkten Maßnahmen zur Schadensminderung und sicheren Injektionspraktiken unterstreicht.

Von den 240 Millionen Menschen mit chronischer Hepatitis B im Jahr 2024 erhielten weniger als fünf Prozent eine Behandlung, wie die Organisation mitteilt. Seit dem Jahr 2015, als eine neue zwölfwöchige Therapie mit einer Heilungsrate von etwa 95 Prozent verfügbar wurde, seien nur 20 Prozent der Hepatitis-C-Patienten behandelt worden.

Aufgrund des eingeschränkten Zugangs sowohl zu Präventionsmaßnahmen als auch zu Therapie verstarben im Jahr 2024 schätzungsweise 1,1 Millionen Menschen an Hepatitis B und 240.000 an Hepatitis C. Leberzirrhose und Hepatozelluläres Karzinom nennt die WHO dabei als Hauptursachen für die mit Hepatitis assoziierten Todesfälle. Ein Großteil der Todesfälle durch Hepatitis B ereignete sich in Afrika und im Westpazifik.

Zehn Länder – Bangladesch, China, Äthiopien, Ghana, Indien, Indonesien, Nigeria, die Philippinen, Südafrika und Vietnam – waren im Jahr 2024 für 69 Prozent der weltweiten Todesfälle durch Hepatitis B verantwortlich, rechnet die WHO außerdem vor. Die Todesfälle durch Hepatitis C seien geografisch weiter verteilt. Im Jahr 2024 entfielen 58 Prozent der weltweiten Gesamtzahl auf zehn Länder: China, Indien, Indonesien, Japan, Nigeria, Pakistan, Russland, Südafrika, die Vereinigten Staaten von Amerika und Vietnam.

Bewährte Lösungen

Trotz dieser Herausforderungen zeigen die Fortschritte in Ländern wie Ägypten, Georgien, Ruanda und Großbritannien, dass die Eliminierung von Hepatitis als Problem der öffentlichen Gesundheit mit nachhaltigem Engagement und Investitionen möglich ist.

Die WHO unterstreicht, dass hochgradig wirksame Instrumente bereits zur Verfügung stünden. So schütze die Hepatitis-B-Impfung mehr als 95 Proznet der Geimpften vor akuten und chronischen Infektionen. Eine Langzeitbehandlung mit antiviralen Mitteln gegen Hepatitis B könne helfen, chronische Infektionen wirksam zu behandeln und schwere Lebererkrankungen zu verhindern, unterstreicht die Organisation. Und schließlich ließen sich mit einer kurativen Kurzzeittherapie gegen Hepatitis C in einem Zeitraum von acht bis zwölf Wochen mehr als 95 Prozent der Infektionen heilen.

Dr. Tereza Kasaeva, Direktorin der WHO-Abteilung für HIV, Tuberkulose, Hepatitis und sexuell übertragbare Infektionen, betonte: „Die Daten zeigen, dass Fortschritte möglich sind, aber auch, wo wir noch Verbesserungspotenzial haben. Jede verpasste Diagnose und jede unbehandelte Infektion aufgrund chronischer Virushepatitis bedeutet einen vermeidbaren Todesfall.“ Kasaeva unterstreicht: „Die Länder müssen die Integration von Hepatitis-Versorgungsleistungen für Menschen mit Hepatitis B und C in die Primärversorgung beschleunigen und die am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppen erreichen.“

Der Bericht benennt prioritäre Maßnahmen zur beschleunigten Eliminierung von Hepatitis als Bedrohung der öffentlichen Gesundheit. Dazu gehören der Ausbau der Behandlung chronischer Hepatitis-B-Infektionen, insbesondere in den WHO-Regionen Afrika und Westpazifik, sowie die Verbesserung des Zugangs zur Hepatitis-C-Therapien in der WHO-Region Östliches Mittelmeer.

Gefordert wird von der WHO außerdem ein stärkeres politisches Engagement und eine stärkere Finanzierung sowie eine Verbesserung der Quote von Impfungen gegen Hepatitis B bei der Geburt sowie eine erweiterte antivirale Prophylaxe zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung von HBV, insbesondere in der WHO-Region Afrika. Darüber hinaus wird in dem Bericht betont, dass es dringend nötig ist, die den Gebrauch von Injektionsnadeln im Gesundheitswesen zu verbessern – aber auch unter Drogenkonsumente, für die verstärkte Angebote zur Schadensminderung gefordert werden.

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