Frühzeitige PSMA-PET/CT könnte Biopsien bei Verdacht auf Prostatakrebs reduzieren

Experten setzen viel Hoffnung auf eine frühzeitige PSMA-PET/CT bei Prostatakrebs. Grafik (KI-generiert): Izhar – stock.adobe.com

Eine Studie der Medizinischen Universität Wien (Österreich) zeigt eine hohe Erkennungsrate bei klinisch relevantem Prostatakrebs durch die Bildgebung per PSMA-PET/CT. Durch diese Informationen zusätzlich zum PSA-Wert könnten unnötige Biopsien vermieden werden, hoffen die Wissenschaftler.

Die PSMA-PET/CT kombiniert zwei bildgebende Verfahren. Bei der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) wird eine geringe Menge einer radioaktiv markierten Substanz verabreicht, die sich gezielt an das prostataspezifische Membranantigen (PSMA) bindet. Dieses Eiweiß kommt auf Prostatakrebszellen besonders häufig vor. Dadurch können verdächtige Bereiche sichtbar gemacht werden. Die gleichzeitig durchgeführte Computertomographie (CT) liefert genaue Bilder der Körperstrukturen und ermöglicht es, diese Bereiche anatomisch zuzuordnen.

Das Forschungsteam um Holger Einspieler und Sazan Rasul untersuchte im Rahmen einer nachträglichen Analyse der randomisierten Phase-III-Studie RAPID, welchen Stellenwert die PSMA-PET/CT bereits bei Patienten mit erhöhtem PSA-Wert und Verdacht auf Prostatakrebs vor einer Biopsie haben könnte. Die Ergebnisse des Teams unter der Leitung von Marcus Hacker, Leiter der Klinischen Abteilung für Nuklearmedizin der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin, wurden in der Erstausgabe des neuen Journals „The Lancet Medical Imaging & Theranostics“ veröffentlicht.

Hohe Erkennungsrate bei klinisch relevantem Prostatakrebs

Im der RAPID-Studie unterzogen sich 194 Patienten einer PSMA-PET/CT-Bildgebung; sie wurden in die vorliegende Analyse einbezogen. Mittels PSMA-PET/CT wurde bei 84 (79 %) von 106 histologisch bestätigten Prostatakarzinomen (ISUP-Gradgruppe 1–5) ein Prostatakarzinom nachgewiesen; dabei ergaben sich eine Sensitivität von 79 % (95 %-Konfidenzintervall [KI] 71–86), eine Spezifität von 59 % (95 %-KI 49–69), ein positiver Vorhersagewert (PPV) von 70 % (95 %-KI 61–78) und ein negativer Vorhersagewert (NPV) von 70 % (95 %-KI 59–80). Zudem identifizierte die PSMA-PET/CT klinisch signifikante Prostatakarzinome (csPCa; ISUP-Gradgruppe ≥2) bei 70 (91 %) von 77 histologisch bestätigten Prostatakarzinomen, mit einer Sensitivität von 91 % (95 %-KI 82–96), einer Spezifität von 57 % (95 %-KI 48–66), einem PPV von 58 % (95 %-KI 49–67) und einem NPV von 91 % (95 %-KI 82–95). Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 35 Monaten (Interquartile Range 32–38) detektierte die PSMA-PET/CT bei 23 (96 %) von 24 Männern – aus einer Gruppe von 176 für die Nachbeobachtungsanalyse geeigneten Patienten – ein Prostatakarzinom mit aggressivem Krankheitsverlauf.  

Hohe Aussagekraft eines unauffälligen Befunds

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die PSMA-PET/CT möglicherweise bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt der diagnostischen Abklärung wertvolle Informationen liefern kann. Besonders relevant ist dabei die hohe Aussagekraft eines unauffälligen Befunds. Künftig könnte dies dazu beitragen, besser zu entscheiden, bei welchen Patienten eine Biopsie tatsächlich notwendig ist“, sagt Studienleiter Marcus Hacker. Ob und wie die Methode in die routinemäßige Diagnostik integriert werden kann, muss in weiteren Studien untersucht werden.

(ms/BIERMANN)

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