Zusammenhang niedriger Testosteronspiegel mit der Progression bei Prostatakrebs

Niedriger Testosteronwert – was bedeutet dies für Prostatakrebs? Symbolbild: jarun011 – stock.adobe.com

Niedrige Testosteronspiegel stehen mit aggressiven Merkmalen des Prostatakarzinoms (PCa) in Verbindung. US-Forscher haben jetzt den Zusammenhang niedriger Testosteronspiegel und der Progression der Grade Group (GG) bei Patienten mit lokalisiertem PCa unter aktiver Über­wachung (AS) genauer untersucht.

Tarek Lawen und Kollegen führten eine retrospektive Kohortenstudie mit 924 Männern durch, die zwischen 2005 und 2024 in ein AS-Programm aufgenommen worden waren. Die mediane Nachbeobachtungszeit bei Patienten ohne Progression betrug 46,1 Monate. Die Urologen stuften die Serumtestosteronspiegel als niedrig ein, wenn diese höchstens bei 300 ng/dl lagen. Primäre Endpunkte waren die „moderate“ Progression in der Biopsie zu GG2 oder eine „extreme“ Progression zu GG3 oder höhergradigen Erkrankungen. Zur Bewertung der Zusammenhänge zwischen Testosteronspiegeln und Progression verwendeten sie multivariate Cox-Proportional-Hazards-Modelle, die sie nach Alter, PSA-Dichte und Tumorvolumen in der Biopsie adjustierten.

Höheres Risiko nicht für moderate, aber für extreme Progression

Das Durchschnittsalter der 924 Männer betrug 63,6 Jahre (SD 8,1) und die mittlere PSA-Dichte lag bei 0,13 ng/m² (Standardabweichung [SD] 0,14). Der durchschnittliche Testosteron-Ausgangswert betrug 394 ng/dl (SD 160,4); 29,4 % (n=272) der Männer wiesen einen Testosteronspiegel von bis zu 300 ng/dl auf. Ein niedriger Testo­steronspiegel war mit einem statistisch signifikant erhöhten Risiko für eine Progression zu GG3 assoziiert (HR 1,61; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 1,02–2,54; p=0,04). Zudem deuteten die Ergebnisse darauf hin, dass ein niedriger Testosteronspiegel nicht mit dem Risiko einer Progression zu GG2 in Zusammenhang stand (HR 1,25; 95 %-KI 0,93–1,67; p=0,13).

Wie die Arbeit zeigt, ist ein niedriger Testosteronspiegel zwar nicht eindeutig mit einer moderaten Progression assoziiert, kann aber das Risiko einer höhergradigen Progression steigern. „Zukünftige Studien sollten sich auf die prospektive Validierung unserer Ergebnisse konzentrieren, um den biologischen Zusammenhang zwischen Androgenen und der Progression des Prostatakarzinoms zu klären“, so der Ausblick von Lawen et al.

(ms/BIERMANN)

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