Prostatakrebs-Risiko: Bei Männern afrikanischer Abstammung Keimbahnvarianten, Risikoscore und Familienanamnese einbeziehen

Wie hoch ist mein Prostatakarzinomrisiko? Zahlreiche Daten müssen in die Bestimmung einfließen. Bild (KI-generiert): Cosmic Edge – stock.adobe.com

Eine internationale Wissenschaftlergruppe hat untersucht, wie pathogene Genvarianten (PV) in der Keimbahn, der polygene Risikoscore (PRS) und die Familienanamnese dazu beitragen können, das Risiko für ein Prostatakarzinom (PCa) bei Männern afrikanischer Abstammung besser abzuschätzen. Es zeigte sich eine große Spanne individueller Risiken.

Das Team um Christopher A. Haiman von der University of Southern California in Los Angeles (USA) analysierte Daten von 7176 PCa-Fällen und 4873 Kontrollpersonen aus 7 Ländern in Nordamerika und Afrika, um den Zusammenhang zwischen PV in 37 Genen für Krebsprädisposition und dem Risiko für PCa insgesamt sowie für aggressive und metastasierte PCa-Formen zu untersuchen. Gene, die signifikant mit dem PCa-Risiko assoziiert waren, dienten zur Schätzung des absoluten Lebenszeitrisikos unter Berücksichtigung der Familienanamnese, des PRS und des PV-Trägerstatus.

Breite Spanne beim absoluten Lebenszeitrisiko

PV in den Genen ATM, BRCA2, CHEK2, HOXB13 und PALB2 traten bei 4 % der Fälle mit aggressivem oder metastasiertem PCa auf und waren signifikant mit einem erhöhten Risiko für aggressives PCa assoziiert (OR 2,18–5,96; p<0,05). Das absolute Lebenszeitrisiko variierte stark in Abhängigkeit vom PV-Trägerstatus, dem PRS und der Fami­lienanamnese: Es reichte von 3,0 % bis 74 % für PCa insgesamt, von 0,6 % bis 41 % für aggressives PCa und von 0,2 % bis 37 % für metastasiertes PCa. PV-Träger mit positiver Familienanamnese und einem PRS im 90. Perzentil wiesen im Vergleich zu Personen mit durchschnittlichem Risiko ein 7-, 18- bzw. 34-fach erhöhtes Risiko für PCa insgesamt, aggressives PCa und metastasiertes PCa auf.

Insgesamt ergibt die Studie, dass sich das PCa-Risiko präziser abschätzen lässt, wenn man PV-Status, PRS und Familienanamnese mit einbezieht. „Die in unserer Studie beobachtete große Spannbreite des PCa-Risikos bei Männern afrikanischer Abstammung unterstreicht die Bedeutung künftiger prospektiver Studien zur Entwicklung risikostratifizierter Krebsfrüherkennungsprogramme, um Hochrisikopersonen zu identifizieren, die von einem Screening in jüngerem Alter profitieren könnten“, betonen die Autoren.

(ms/BIERMANN)

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