|
Liebe Leserinnen und Leser des Kompakt Urologie,
seit geraumer Zeit wird in der Urologie diskutiert, ob eine Umbenennung der Grade Group 1 (GG1) beim Prostatakarzinom angebracht wäre. Konkret steht im Raum, die Bezeichnung „Krebs“ aus dieser Diagnose gänzlich zu streichen – um unnötige Ängste und Behandlungen zu vermeiden. Neue Daten aus den USA stehen diesem Vorhaben möglicherweise entgegen. Eine Studie von US-Wissenschaftlern, die bei Weill Cornell Medicine tätig sind, zeigt nämlich, dass jeder sechste Mann mit der Diagnose GG1-Prostatakrebs tatsächlich einem höheren Risiko ausgesetzt ist als aufgrund der Biopsie angenommen wurde. „Ein Teil der Männer mit niedriggradigen Tumoren weist dennoch ungünstige klinische Merkmale auf, die mit schlechteren Krebsprognosen verbunden sind“, so Erstautor Prof. Neal Arvind Patel. Die Forschenden beklagen, dass die Einstufung des GG1-Prostatakarzinoms als risikoarm allein auf Grundlage der Biopsie-Ergebnisse eine falsche Sicherheit suggeriere.
Neue Behandlungsmöglichkeiten wünschen sich auch Patienten, die an Harninkontinenz leiden. Lichtblicke bietet dazu eine Studie aus der Fachzeitschrift „Nature“, in der die Forschenden erstmals den Zusammenhang zwischen Rückenmark und Blasenkontrolle untersuchten. Die Ergebnisse zeigen, dass spezifische Regionen des Rückenmarks mit dem Blasendruck korrelieren. Die neuronalen Mechanismen der Blasenkontrolle zu entschlüsseln könnte somit den Weg für neue Therapien ebnen.
Außerdem gibt es neue Erkenntnisse zur Resistenz gegen Chemotherapie bei Blasenkrebs. US-Wissenschaftler des Baylor College of Medicine untersuchten Tumorproben des muskelinvasiven Harnblasenkarzinoms mittels eines umfassenden Multi-Omics-Ansatzes und konnten möglicherweise Zielproteine für neue Behandlungsansätze identifizieren.
Viel Spaß beim Lesen und eine erfolgreiche Woche wünscht Ihnen
|