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Liebe Leserinnen und Leser,
sprachlicher Ausdruck bewirkt viel – auch in der Medizin. So kann die Bezeichnung „Krebs“, wenn präkanzeröse Läsionen gemeint sind, möglicherweise unnötige Angst bei den betroffenen Patienten schüren und potenziell Überdiagnosen sowie -therapien (inklusive der möglichen Nebenwirkungen) Vorschub leisten – auch wenn eine aktive Überwachung ausreichend wäre. So lassen sich die Ergebnisse einer aktuellen Modellstudie im Journal „JAMA Oncology“ skizzieren, bei der es um die Bezeichnung von Prostatatumoren mit Gleason-Score 6 (Grade Group 1) ging. Die Autoren glauben, dass eine Klassifizierung solcher Befunde als „präkanzeröse Läsionen“ die Screening-Teilnahmeraten erhöhen und netto mehrere tausend Todesfälle pro Jahr verhindern könnte. Gleichzeitig bestehe aber auch ein gewisses Risiko, dass Patienten die Überwachung weniger konsequent wahrnehmen. Die Forschenden fordern deshalb Real-World-Daten dazu.
Um nicht notwendige Behandlungen geht es auch in einer anderen neuen Untersuchung: Diese ergab, dass Tamsulosin bei etwa einem Drittel der damit therapierten älteren Männer mit benigner Prostatahyperplasie kaum oder keinen Nutzen bringt, obwohl es weiterhin häufig langfristig eingenommen wird. Angesichts möglicher Nebenwirkungen der Therapie – wie plötzlicher Blutdruckabfall und Stürzen – in manchen Fällen empfehlen die Autoren, die Behandlung mit dem Alpha-1-Rezeptorenblocker regelmäßig bei den einzelnen Patienten zu überprüfen und das Medikament gegebenenfalls abzusetzen. Die Ergebnisse der aktuellen Arbeit sprechen somit für eine stärker personalisierte, altersgerechte Behandlung, müssen jedoch, wie die Forschenden betonen, in größeren Studien bestätigt werden.
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