Niedrige Vitamin-D-Spiegel mit stärkeren Schmerzen nach Brustkrebs-Operationen assoziiert

Symbolbild © lashkhidzetim/stock.adobe.com

Ein Vitamin-D-Mangel geht mit stärkeren Schmerzen nach einer Brustkrebs-Operation sowie einem erhöhten Verbrauch an Opioiden einher. Zu diesem Ergebnis gelangt eine aktuelle Beobachtungsstudie aus Ägypten.

Es mehren sich die Hinweise darauf, dass Vitamin D eine Rolle dabei spielt, wie Schmerzen vom Körper wahrgenommen und verarbeitet werden. Dies ist wahrscheinlich auf die entzündungshemmenden Eigenschaften des Vitamins sowie auf seine Wirkung auf das Immunsystem zurückzuführen. Ein Vitamin-D-Mangel wird zudem häufig bei Patientinnen mit Brustkrebs festgestellt.

Die Ergebnisse einer kürzlich in der Fachzeitschrift „Regional Anesthesia & Pain Medicine“ publizierten Beobachtungsstudie legen nahe, dass Brustkrebspatientinnen mit niedrigen Vitamin-D-Werten (unter 30 nmol/l) von der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln profitieren könnten, bevor sie sich einer radikalen Mastektomie unterziehen.

Beobachtungsstudie mit 184 Brustkrebspatientinnen

Ein Forscherteam machte es sich zur Aufgabe, den Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und postoperativen Schmerzen bei Patientinnen zu untersuchen, die sich einer Brustkrebs-Operation unterzogen. Ihre prospektive Beobachtungsstudie, die zwischen September 2024 und April 2025 am Universitätsklinikum Fayoum in Ägypten durchgeführt wurde, umfasste 184 Brustkrebspatientinnen, bei denen die radikale Mastektomie einer Brust geplant war.

Die Hälfte der Patientinnen wurde als Vitamin-D-defizitär (unter 30 nmol/l) und die andere Hälfte als Vitamin-D-suffizient (über 30 nmol/l) eingestuft. Beide Gruppen wiesen ähnliche Merkmale auf, mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren in der Gruppe mit Vitamin-D-Mangel und 42 Jahren in der Gruppe mit ausreichender Vitamin-D-Versorgung. Die Patientinnen wurden sowohl während als auch nach der Operation gemäß dem standardmäßigen Behandlungsprotokoll des Krankenhauses versorgt. Das an der Betreuung beteiligte medizinische Personal war über die jeweiligen Vitamin-D-Werte der Patientinnen nicht informiert.

Während des Eingriffs wurde das Opioid Fentanyl verabreicht, um akute Schmerzen zu lindern. Nach der Operation erhielten alle Patientinnen über eine Infusion alle acht Stunden Paracetamol. Zusätzlich hatten die Patientinnen die Möglichkeit, die verabreichte Menge des Opioid-Analgetikums Tramadol selbst zu steuern.

Die Patientinnen gaben ihre Schmerzintensität unmittelbar nach der Operation (Zeitpunkt null) sowie 6, 12, 18 und 24 Stunden nach dem Eingriff an. Zudem erfassten die Forscher das Auftreten von Übelkeit und Erbrechen, den Sedierungsgrad sowie die Anzahl der postoperativen Krankenhaustage.

Mehr Schmerzen und höherer Opioid-Verbrauch

Die Studie ergab, dass Patientinnen mit Vitamin-D-Mangel zu jedem der erfassten Zeitpunkte innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Operation mit dreimal höherer Wahrscheinlichkeit über moderate bis schwere postoperative Schmerzen berichteten als Patientinnen mit ausreichenden Vitamin-D-Werten. Die Forscher merkten jedoch an, dass keine Patientin in einer der beiden Gruppen über starke Schmerzen (7 oder mehr auf einer Skala von 0 bis 10) berichtete. Der Unterschied war somit vollständig auf eine Reduzierung mäßiger Schmerzen (4–6 auf der Schmerzskala) zurückzuführen.

Patientinnen mit Vitamin-D-Mangel erhielten während der Operation durchschnittlich 8 µg mehr Fentanyl – ein Unterschied, den die Forscher als geringfügig einstuften. Die Studie ergab jedoch, dass die Patientinnen in der Gruppe mit Vitamin-D-Mangel nach der Operation deutlich mehr Tramadol (112 mg) verbrauchten als jene mit ausreichenden Vitamin-D-Spiegeln. Die Verabreichung dieses starken Opioids wurde direkt von den Patientinnen gesteuert, bis zu einer Höchstdosis von 50 mg pro Stunde.

Opioide können eine Reihe von Nebenwirkungen hervorrufen – darunter Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit und Verwirrtheit – und bergen zudem das Risiko einer Abhängigkeit und Suchtentwicklung. Patientinnen mit Vitamin-D-Mangel litten häufiger an postoperativer Übelkeit und Erbrechen. Letzteres wurde in der Gruppe mit ausreichender Vitamin-D-Versorgen gar nicht beobachtet. Dieser Unterschied war jedoch gering und statistisch nicht signifikant.

Einschränkungen der Studie

Die Studie wies einige Einschränkungen auf: Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelte, die zudem an einem einzelnen Zentrum durchgeführt wurde, lassen sich keine gesicherten Schlussfolgerungen bezüglich Ursache und Wirkung ziehen. Zudem erfassten die Forscher keine Entzündungsmarker, weshalb sie die den Zusammenhang zwischen Vitamin D und den Mechanismen, die dem Schmerz zugrunde liegen, nicht näher untersuchen konnten. Des Weiteren erhoben sie vor der Operation keine Daten zu Angstzuständen, Depressionen, dem Krebsstadium, der Behandlung oder Schlafstörungen.

Dennoch kommen die Forscher zu dem Schluss: „Ein Vitamin-D-Mangel ist mit einem häufigeren Auftreten mäßiger bis starker postoperativer Schmerzen sowie einem erhöhten Opioidverbrauch bei Patientinnen assoziiert, die sich einer einseitigen modifiziert-radikalen Mastektomie unterziehen.“ Sie legen nahe: „Eine präoperative Vitamin-D-Supplementierung bei Brustkrebspatientinnen mit Vitamin-D-Spiegeln unter 30 nmol/l könnte eine Rolle bei der Modulation postoperativer Schmerzen spielen.“

(lj/BIERMANN)

Das könnte Sie zum Thema Brustkrebs ebenfalls interessieren:

Langsam wachsende Brustkrebszellen könnten späte Rezidive auslösen

Modifizierte sonodynamische Therapie hemmt Brustkrebs und Knochenmetastasen