Tabletnutzung vor dem Einschlafen ist weniger schädlich als gedacht25. November 2025 Weil sie blaues Licht abstrahlen, stehen Tablets im Verdacht, den Schlaf negativ zu beeinflussen, wenn man sie vor dem Zubettgehen nutzt. (Quelle: © RUB, Marquard) Das blaue Licht, das Tablets abstrahlen, steht im Verdacht, den Schlaf zu erschweren. Eine experimentelle Studie mit Kindern an der Ruhr-Universität Bochum konnte dies allerdings nicht bestätigen. Immer wieder hört man, dass das von Tablets und Handys abgestrahlte blaue Licht die Produktion des Schlafhormons Melatonin beeinflusst und so das Einschlafen erschwert. Die drei Wissenschaftlerinnen Prof. Sabine Seehagen, Neele Hermesch und Dr. Carolin Konrad vom Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie der Ruhr-Universität Bochum untersuchten diesen Effekt nun bei Kleinkindern im häuslichen Umfeld. Darüber berichtet „Rubin“, das Wissenschaftsmagazin der Ruhr-Universität. „Wir beschäftigen uns schon länger mit dem Thema Babyschlaf und Mediennutzung“, erklärt Seehagen. „Allerdings ist dieses Forschungsfeld sehr von korrelativen Studien geprägt. Diese Vorgehensweise sagt aber noch nicht wirklich etwas darüber aus, ob die Medien an dem schlechten Schlaf ‚schuld‘ sind. Oder ob doch etwas ganz anderes dahintersteckt. Das war der Grund, warum wir experimentell arbeiten wollten“, berichtet die Entwicklungspsychologin. Dabei war es den drei Bochumer Forscherinnen ein großes Anliegen, die Kinder in ihrem häuslichen Umfeld zu testen und zu beobachten, um zu verstehen, welche Bedeutung das Tablet für den Schlaf im Alltag hat. Tablet versus Bilderbuch Im Zentrum des Experiments stand die Frage, ob das Anschauen einer Geschichte auf dem Tablet im Vergleich zum Ansehen eines Bilderbuches die Ausschüttung von Melatonin und den Nachtschlaf beeinflusst. Hierfür wurden die 32 teilnehmenden Familien mit Kindern zwischen 15 und 24 Monaten von den Wissenschaftlerinnen jeweils zweimal besucht und instruiert. Die Kinder bekamen eine Schlafuhr ans Fußgelenk, welche die Bewegungen in der Nacht durch Sensoren wahrnahm. Dadurch konnten die Forscherinnen anschließend Rückschlüsse über das Schlafverhalten ziehen, zum Beispiel Schlafdauer, -qualität und Einschlafzeit. Die Melatoninausschüttung wurde über drei Speichelproben pro Kind und Abend gemessen. Die Ergebnisse überraschen „Wir haben an dem Abend mit Tablet einen flacheren Anstieg in der Melatoninausschüttung erwartet als an dem Abend mit Bilderbuch“, erklärt Konrad. Dies würde dafürsprechen, dass das Blaulicht, das von dem Tablet abgestrahlt wird, die Melatoninproduktion unterdrückt. Doch überraschenderweise bestätigten die Daten diese Annahme nicht. So beobachteten die Forscherinnen in beiden Settings den gleichen Anstieg des Melatonins – egal ob Tablet geschaut wurde oder ein Bilderbuch. „Auf Basis der Studie würden wir nicht davon ausgehen, dass das Blaulicht dazu geführt hat, dass das Melatonin verzögert ausgeschüttet wurde“, fasst Hermesch die Beobachtungen zusammen. Zudem fanden die Forscherinnen keine Hinweise darauf, dass sich der Schlaf in beiden Nächten voneinander unterschieden hätte. Auch auf das Einschlafen schien die Tabletnutzung keinen negativen Einfluss zu haben. Allerdings betonen die Forscherinnen, dass die Art des Films und die Dauer des Anschauens hier wichtige Faktoren seien. Auch ob die Eltern dabei seien oder nicht, könnte Auswirkungen haben. Denn neben dem Einfluss auf das Melatonin könnten Bildschirmmedien den Schlaf auch über andere Faktoren wie beispielsweise aufregende Inhalte tangieren.
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