Typ-2-Diabetes: Risiko für Nieren- und Herzinsuffizienz steigt im Verlauf deutlich

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Das Risiko für chronische Nierenerkrankung, Herzinsuffizienz oder Tod steigt bei Menschen mit Typ-2-Diabetes im Verlauf deutlich an, wie Real-World-Daten von mehr als 1,6 Millionen Patienten zeigen. Die Analyse verdeutlicht die Bedeutung der Früherkennung und rechtzeitigen Behandlung.

Nach einer Diagnose von Typ-2-Diabetes (T2D) steigt das Risiko, eine chronische Nierenerkrankung (CKD) oder eine Herzinsuffizienz zu entwickeln oder zu versterben, im weiteren Krankheitsverlauf deutlich an. Das zeigen neue Studienergebnisse, die kürzlich auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Mailand (Italien) vorgestellt wurden.

Die Analyse von Daten aus den USA ergab, dass das kombinierte Risiko für die Entwicklung einer CKD oder Herzinsuffizienz beziehungsweise für einen Tod innerhalb der ersten fünf Jahre nach der T2D-Diagnose durchschnittlich 33 Prozent betrug. Über einen Zeitraum von zehn Jahren stieg es auf 55 Prozent.

Nach Einschätzung der Forschenden unterstreichen die Ergebnisse die große Bedeutung einer frühzeitigen, konsequenten und ganzheitlichen Behandlung des Typ-2-Diabetes, um das Risiko schwerwiegender Folgeerkrankungen zu reduzieren.

Typ-2-Diabetes als Treiber der Multimorbidität

Wie schnell und in welcher Reihenfolge Menschen nach einer erstmaligen T2D-Diagnose schwerwiegende Folgeerkrankungen wie CKD und Herzinsuffizienz entwickeln, ist bislang jedoch nicht vollständig geklärt. Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, werteten die Forschenden Real-World-Daten aus dem Beobachtungsprogramm CALOR aus. Ziel war es, das Risiko für die Entwicklung einer CKD oder Herzinsuffizienz nach einer erstmaligen T2D-Diagnose zu bestimmen.

Darüber hinaus untersuchten sie, wie häufig innerhalb von fünf Jahren nach Auftreten der ersten Komplikation die jeweils andere Erkrankung hinzukommt. Ermittelt wurde außerdem das kombinierte Risiko, innerhalb von fünf beziehungsweise zehn Jahren nach der T2D-Diagnose eine CKD oder Herzinsuffizienz zu entwickeln oder zu versterben.

In die Analyse gingen 1.617.508 Patientinnen und Patienten aus den USA ein, bei denen zwischen dem 1. Januar 2010 und dem 31. März 2024 erstmals ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert worden war. Das durchschnittliche Alter bei Einschluss in die Studie betrug 59 Jahre, 51 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen.

Bei den 13 Prozent der Patientinnen und Patienten, für die ein Body-Mass-Index (BMI) dokumentiert war, lag der Median bei 30,9 kg/m². Zudem wiesen 72 Prozent der Teilnehmenden eine Dyslipidämie auf. Bei 68 Prozent bestand eine arterielle Hypertonie.

Chronische Nierenerkrankung tritt häufiger zuerst auf

Innerhalb von fünf Jahren nach der erstmaligen T2D-Diagnose war das Risiko, zunächst eine CKD zu entwickeln, mehr als doppelt so hoch wie das Risiko, zuerst eine Herzinsuffizienz zu entwickeln. Demnach entwickelten 19,0 Prozent der Patientinnen und Patienten zunächst eine CKD, während bei 8,3 Prozent zunächst eine Herzinsuffizienz auftrat.

Bei denjenigen, die zunächst eine Herzinsuffizienz entwickelten, lag das Risiko, innerhalb der folgenden fünf Jahre zusätzlich eine CKD zu entwickeln, bei 42 Prozent. Umgekehrt entwickelten jedoch nur 23 Prozent der Patientinnen und Patienten mit zunächst diagnostizierter CKD innerhalb der folgenden fünf Jahre zusätzlich eine Herzinsuffizienz.

Frühzeitig erkennen und behandeln

„Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, wie stark die mit Typ-2-Diabetes verbundenen schwerwiegenden Komplikationen im Laufe der Zeit zunehmen“, sagt Prof. Naveed Sattar von der University of Glasgow (Großbritannien), der die Studie gemeinsam leitete.

Die häufig gemeinsam auftretende Kombination aus Adipositas, gestörtem Fettstoffwechsel, Bluthochdruck und erhöhten Blutzuckerwerten könne im Laufe der Zeit zu Schäden an Blutgefäßen und lebenswichtigen Organen führen. „Unsere Ergebnisse unterstreichen daher die entscheidende Bedeutung, einen Typ-2-Diabetes möglichst frühzeitig zu erkennen und umfassend zu behandeln, um das Risiko schwerwiegender Folgeerkrankungen zu reduzieren“, ergänzt Sattar.

Die Studie weist mehrere Limitationen auf. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lassen sich aus den Ergebnissen keine kausalen Zusammenhänge ableiten. Zudem kann ein Selektionsbias nicht ausgeschlossen werden und der Einfluss von Ethnizität und Abstammung bleibt unklar.

(mkl/BIERMANN)

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