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Liebe Leserinnen und Leser,
in jüngster Zeit werden vermehrt Studien zum Blasenerhalt bei muskelinvasivem Harnblasenkarzinom in hochrangigen Journals publiziert. Ziel der Bemühungen ist es, die radikale Zystektomie zu vermeiden und dem Patienten bei möglichst hoher onkologischer Sicherheit weiterhin eine normale Miktion über die Blase zu ermöglichen. Daten aus zwei aktuellen Phase-II-Studien stellen wir Ihnen in diesem Newsletter vor.
Die Ergebnisse der einarmigen, multizentrischen Phase-II-Studie INDIBLADE sind in „Nature Medicine“ erschienen. Laut den Autoren kann die Kombination aus Ipilimumab und Nivolumab, gefolgt von einer Radiochemotherapie, eine wirksame blasenerhaltende Behandlung darstellen. Zudem lässt sich das Ansprechen auf die Therapie mittels zirkulierender Tumor-DNA überwachen. Der primäre Endpunkt wurde erreicht.
Anders war das Setting der SURE-2-Studie, die in „The Lancet. Oncology“ publiziert wurde. Hier war eine Kombination aus Sacituzumab Govitecan plus Pembrolizumab als perioperative Therapie für Patienten vorgesehen, bei denen eine radikale Zystektomie geplant war, die aber eine neoadjuvante Chemotherapie auf Platin-Basis ablehnten. Jedoch wiesen viele Patienten nach erfolgreicher Vortherapie dann auch die Zystektomie zurück und erhielten stattdessen eine Re-TUR-B. Insgesamt ergab sich eine Gesamtansprechrate von 39 Prozent.
„Ich zweifle, dass das Datenmaterial der Arbeit die Publikation in einer so renommierten Zeitschrift rechtfertigt“, leitet Prof. Michael Stöckle, Herausgeber von KOMPAKT UROLOGIE, seine kritische Besprechung der SURE-2-Studie in der aktuellen Ausgabe ein. Den ehemaligen Generalsekretär und Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Urologie erstaunt, dass im Rahmen eines Amendments „der primäre Endpunkt der Studie geändert worden zu sein scheint, denn dieser Endpunkt war definiert als der Anteil an Patienten mit klinischer Komplettremission nach einer solchen Zweit-TUR-B, die im ursprünglichen Protokoll ja gar nicht vorgesehen war“.
Auch dass Patienten eine Platin-basierte Chemotherapie ablehnten, „um dann aber eine andere und noch dazu experimentelle zytotoxische Vorbehandlung zu akzeptieren“ und „dass diese dann fast allesamt die Zystektomie aus tiefer innerer Überzeugung abgelehnt zu haben scheinen, hat das Ausmaß meines Staunenkönnens beinahe überfordert“, so Stöckle. Die mediane Nachbeobachtungszeit von 14 Monaten sei darüber hinaus viel zu kurz – und trotzdem seien schon Metastasen aufgetreten.
Das vollständige Editorial von Prof. Michael Stöckle finden Sie in der Print- oder ePaper-Ausgabe von KOMPAKT UROLOGIE. An dieser Stelle wünsche ich Ihnen eine spannende, kritische Lektüre dieser und der weiteren vorgestellten Studien dieses Newsletters.
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